Beim Transrapid von China lernen

- München - Im Auto klingelte das Handy von Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu. Es meldete sich das Büro von Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe, und gleich darauf Stolpe selbst: "Ich könne Wu versichern, der Transrapid werde in Deutschland gebaut", gibt Wiesheu den Inhalt wieder. Er tat das nicht im Zwiegespräch mit Wu Xiangming, dem Chef des chinesischen Transrapid-Projekts, der gestern in München war, sondern auf der Pressekonferenz zu Wus Besuch.

<P align=center></P><P>"Ich hoffe, dass ich nicht die Vertraulichkeit verletze", fügte Wiesheu mit Unschuldsmiene hinzu und legte noch einmal nach: "Vor zwei Stunden hat mir Stolpe gesagt, Wu solle an der deutschen Haltung keinen Zweifel haben." Das sei eine "knackige" Nachricht. "Darüber bin ich sehr froh."<BR><BR>Wu stimmte ein: "Es ist gut, dass die deutsche Regierung das Münchner Projekt durchführt." Immerhin hat auch er diesmal gute Nachrichten dabei: Die Probleme, über die man sich von chinesischer Seite zuletzt beklagt hat, sind laut "Commander Wu" "alle gelöst". Zumindest würden Probleme den Betrieb des Transrapid in Shanghai nicht beeinträchtigen.<BR><BR>Was viele nicht wissen: Der Transrapid fährt auch in Schanghai - trotz der Jungfernfahrt am 1. Januar dieses Jahres - noch nicht im kommerziellen Betrieb. Das war auch gar nicht vorgesehen. Der Start ist für 2004 geplant. Dann sollen täglich 45 000 Passagiere mit 430 Stundenkilometern zwischen Messe und Flughafen Schanghai pendeln. Wiesheu lobte die lange Testphase der Chinesen ausdrücklich: "Man kann nicht einfach installieren, und es läuft", sagte er mit einem deutlichen Seitenhieb auf die deutsche LKW-Maut. Nur so könne man aus Fehlern lernen.<BR><BR>Noch wird also getestet. Dabei hat der Transrapid - ohne Passagiere - erstmals die 500-Stundenkilometer-Grenze durchbrochen. "501 für wenige Sekundenbruchteile", berichtet Wu von dem Rekord. Mehr sei wegen der nur 34 Kilometer langen Strecke nicht möglich gewesen. Doch es geht nicht nur um Rekorde, sondern um Tests für den Praxisbetrieb: 200 000 Kilometer ist die Mangnetschwebebahn gefahren, dabei wurden bereits im Testbetrieb 150 000 Passagiere zum "Flug auf dem Boden" mitgenommen. Der Fahrweg habe, so Wu, die Tests bestanden und sei "anwendungsreif". </P><P>Dabei interessiert die Münchner besonders die Begegnung zweier entgegenkommender Züge, die auf der eingleisigen Versuchsstrecke im Emsland nicht möglich war. Es gab - wie berechnet - kein Problem als zwei Züge mit der Geschwindigkeit eines Jets aneinander vorbeirasten.<BR><BR>Man könne, sagt Wiesheu, in München auf Erfahrungen zurückgreifen, die man in China gemacht hat. Die Kehrseite dieser Medaille: Der Technologievorsprung der Deutschen schmilzt. Mit jedem Tag Betrieb nur in China kommen Erfahrungen hinzu, von denen später andere Transrapid-Benutzer zehren können - und die chinesischen Techniker, die nun in der Praxis Lösungen entwickeln und verwerten können. </P><P>Ein wichtiges Argument der Gegner, die Magnetschwebebahn eigne sich nur für weite Entfernungen, hält Wiesheu nun für widerlegt: "Das kann man auch auf der Kurzstrecke machen." Bayerns Wirtschaftsminister befürchtet, dass es läuft wie beim Fax: Von deutschen Firmen erfunden, von Japanern zum Verkaufserfolg gemacht. Er ist sich sicher: "Ohne Strecke in Deutschland kein Exporterfolg."</P>

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