Beim Trinkgeld scheiden sich die Geister: Andere Sitten im Ausland

- Kaum im Hotel angekommen, stellt sich für viele Gäste das Problem zum ersten Mal: Was tun, wenn ein hilfsbereiter Mensch den Koffer aufs Zimmer bringt - soll der gleich Trinkgeld bekommen? Was ist mit dem Personal, das im Bad putzt und die Betten bezieht? Deutsche Urlauber sind häufig verunsichert. "Es gibt bei uns einfach keine solche Trinkgeldkultur wie in vielen anderen Ländern", sagt Christian Boergen vom Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verband.

<P>Trinkgeld Teil des Lohns</P><P>"In den USA wird generell mehr Trinkgeld gegeben", so der Experte. "Dort gibt man schon einen Dollar, wenn ein Hotelmitarbeiter den Koffer nur in die Hand nimmt." Dort müsse das Servicepersonal aber auch einen großen Teil seines Einkommens über das Trinkgeld bestreiten, gibt Marc Schnerr, Sprecher des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) in Berlin, zu bedenken.<BR><BR>Dank für Service</P><P>"In Deutschland ist Trinkgeld ausdrücklich ein Dankeschön für guten Service."<BR>Die Probleme mit dem Trinkgeld haben aber eher noch zugenommen: War es im vergangenen Jahr der Euro, der die Deutschen immer erst umrechnen ließ, wie viel sie Kellnern oder Hotelbediensteten zukommen lassen wollten, lässt in diesem Jahr die Wirtschaftsflaute die Urlauber nicht unbedingt spendabler werden. Einen deutlichen Rückgang beim Trinkgeld hat etwa die Maritim Hotelgesellschaft beobachtet, die zu den größten deutschen Hotelketten gehört. "Die schlechte Konjunktur hat sichtbare Folgen gehabt", bestätigt DRV-Sprecher Boergen. <BR>Die Faustregel beim Trinkgeld lautet innerhalb Deutschlands allerdings nach wie vor: Man sollte, aber man muss nicht. "Bediengelder sind im Preis enthalten", erläutert Marc Schnerr. "Aber für gute Leistung sollte es auch ein gutes Trinkgeld geben."<BR><BR>Faustregel 10 %</P><P>Wie viel das ist, lässt sich pauschal nicht beantworten und hängt von verschiedenen Faktoren ab: Wie lange der Gast im Hotel war, zu welcher Preisklasse es gehört und natürlich auch von den finanziellen Möglichkeiten des Gebers. Zwar wird oft empfohlen, das Trinkgeld sollte - etwa im Restaurant - bei zehn Prozent des zu zahlenden Betrages liegen und bei hohen Summen von mehreren hundert Euro bei fünf Prozent. Die Orientierungsmarke hilft im Hotel aber meist nicht weiter.<BR><BR>Hotel: Nicht aufrunden</P><P>Die Hotelrechnung beim Auschecken aufzurunden, sei nicht üblich, so Brigitte Ruhleder, Leiterin eines Management-Instituts und Etikette-Expertin. Doch der Hotelangestellte, der das Gepäck aufs Zimmer bringt, sollte möglichst gleich etwas bekommen, und auch das weibliche Personal sollte nicht leer ausgehen. "Gerade das Zimmermädchen wird oft vergessen", stimmt Boergen zu. Eine Überlegung ist auch, dem Zimmerpersonal gleich am ersten Tag etwas zu geben, um es anzuspornen.<BR>Wer sichergehen möchte, dass alle dienstbaren Geister auch vom Trinkgeld profitieren, sollte den Betrag am Empfang abgeben, empfiehlt Marc Schnerr. "Man kann das Trinkgeld aber auch auf dem Zimmer liegen lassen", sagt Boergen - zum Beispiel auf dem Nachttisch. Und wer ganz sichergehen will, dass niemand Zweifel hat, ob das Geld nicht aus Versehen vergessen wurde, kann sich auf einem Zettel bedanken.<BR><BR>Tipps im Reiseführer</P><P>Beim Urlaub im Ausland geben Reiseführer erste Anhaltspunkte zum Trinkgeld. "Bei Pauschalreisen wird das Thema meist auch beim Begrüßungscocktail angesprochen", sagt Boergen. Als Regel gelte aber, dass für Busfahrer bei Studienreisen gesammelt wird. <BR><BR>Im Ausland wird Trinkgeld zwar einerseits umso mehr erwartet, manchmal wird die Entscheidung darüber dem Gast aber auch gleich abgenommen: "In Ländern wie Kanada, den USA, in der Karibik, aber auch in Ostasien wird die Service Charge zum Teil einfach auf die Rechnung draufgeschlagen", sagt Boergen. Wer im Restaurant gut gespeist hat, braucht sich über einen "Tip" für den Kellner dann keine Gedanken mehr zu machen. Ähnlich ist das auf manchen Kreuzfahrtschiffen.<BR><BR>"In Deutschland wäre das auch aus rechtlichen Gründen nicht ohne weiteres möglich", erläutert Schnerr. "Der Gast muss selbst entscheiden können, ob er Trinkgeld gibt und in welcher Höhe."<BR></P>

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