Beitragsplus für Krankheitsschutz: Ein Kassen-Wechsel erspart einiges

- Der Blick auf die Gehaltsabrechnung für Januar hat zahlreiche Arbeitnehmer geschockt: Mehr als die Hälfte der fast 200 gesetzlichen Krankenkassen hat ihre Beitragssätze zum Jahreswechsel angehoben und kassiert um bis zu 1,6 Prozentpunkte mehr. Doch mit einem Wechsel zu einer günstigeren Kasse können Betroffene das Beitragsplus umgehen.

Im bundesweiten Vergleich am heftigsten hat es die Mitglieder der AOK Rheinland-Pfalz erwischt. Hier wurde der Beitragssatz von 13,9 auf 15,5 Prozent angehoben. Das macht bei einem Bruttogehalt von 3000 Euro 24 Euro Mehrbelastung im Monat aus -­ also stattliche 288 Euro im Jahr.

Doch auch in anderen Bundesländern und auch Bayern sind zahlreiche Versicherte betroffen: So müssen die meisten der rund 5,2 Millionen Mitglieder der Barmer Ersatzkasse künftig einen Beitragssatz von 14,4 statt 13,8 Prozent zahlen. Auch die Deutsche Angestellten Krankenkasse DAK wird teurer. Für die rund 4,7 Millionen Mitglieder gilt ab sofort ein allgemeiner Beitragssatz von 14,5 Prozent (+0,7). Die gut vier Millionen Mitglieder der Techniker Krankenkasse zahlen künftig 13,5 statt 13,2 Prozent.

Unterschiede von mehreren hundert Euro möglich

Dass ein Wechsel Sparpotenzial bietet, zeigt der Vergleich mit der derzeit preisgünstigsten, bundesweit offenen Kasse, der IKK-Direkt: Dort zahlt der Versicherte einen Beitragssatz von 12,0 Prozent. Bei einem Bruttogehalt von 3000 Eurokommt er gegenüber der mit 15,8 Prozent teuersten Kasse (AOK Berlin) monatlich um 57 und in einem Jahr um 684 Euro billiger weg. Neben der IKK gibt es für gesetzliche Krankenversicherte in Bayern noch eine Reihe anderer Kassen mit niedrigen Beitragssätzen.

"Der Beitragssatz ist nach wie vor das wichtigste Argument für oder gegen eine Krankenkasse", berichtet die Stiftung Warentest in Berlin. Das gilt vor allem für junge, gesunde Menschen. Denn 95 Prozent der Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen sind festgeschrieben und damit bei allen Versicherern gleich. Heidemarie Krause-Böhm, Expertin für Krankenversicherungen bei der Verbraucherzentrale Bayern, sagt deswegen: "Ein hoher Beitragssatz muss nicht zwingend für ein Mehr an Leistungen stehen."

Unterschiede gibt es zwischen den Kassen allerdings bei den restlichen fünf Prozent der Leistungen und beim Service. Wer besondere Leistungen wie beispielsweise Chronikerprogramme, eine erweiterte Haushaltshilfe im Krankheitsfall oder telefonische Beratung am Wochenende in Anspruch nehmen möchte oder auf besonderen Service Wert legt, muss genau vergleichen. Die Daten dazu liefert eine Übersicht der Stiftung Warentest, die auf der Webseite www.stiftung-warentest.de gegen Bezahlung heruntergeladen werden kann.

Ein Kassenwechsel ist aufgrund eines Sonderkündigungsrechts nach der Beitragserhöhung zum 1. Januar noch bis zum 28. Februar möglich. Mühe macht das kaum: Ein Brief muss fristgerecht an die Kasse geschickt werden. Diese ist dann verpflichtet, binnen zwei Wochen eine Kündigungsbestätigung auszustellen. Mit der können Versicherte dann Mitglied einer beliebigen neuen Krankenkasse werden. Dort müssen sie mindestens 18 Monate Kunde bleiben, bevor sie wieder wechseln können. Ausnahme: Bei einer Beitragserhöhung ist der Wechsel auch vor Ablauf der 18 Monate möglich.

Überlegenswert ist es, die gesparten Beiträge in eine private Krankenzusatzversicherung zu investieren. Hier sind die Leistungen im Bereich alternative Heilmethoden, Brille und Zahnersatz auf jeden Fall umfangreicher als in jeder gesetzlichen Versicherung.

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