EU bekennt sich halbherzig zum Fisch-Schutz

- Brüssel - Der in Nord- und Ostsee vom Aussterben bedrohte Kabeljau soll besser geschützt werden. Darauf einigten sich die EU-Fischereiminister nach 14-stündigen Verhandlungen in Brüssel gegen die Stimme Litauens. Die Beschlüsse über die Fangquoten für 2005 blieben hinter den Forderungen von Umweltschützern zurück, die drastische Fangverbote für beide Meere gefordert hatten. Greenpeace nannte den Beschluss eine "Augenwischerei".

<P>Bundeslandwirtschaftsministerin Renate Künast sagte nach der Sitzung: "Es gibt keinen Grund, in Begeisterung auszubrechen, aber wir haben einen Fuß in der Tür." Zufrieden zeigte sie sich, dass im östlichen Teil der Ostsee 2005 die Zahl der Sperrzonen um zwei auf drei erhöht wird. Dort dürfen die Flotten während des ganzen Jahres nicht fischen.</P><P>Zudem soll dort das Sommerfangverbot von bisher zwei auf viereinhalb Monate verlängert werden. Die Höchstfangmenge in diesem Gebiet wurde nur geringfügig von 41 650 auf 39 000 Tonnen verringert. In der westlichen Ostsee soll die Fangmenge von 29 600 auf 24 700 Tonnen sinken. Hier dürfen Fischer im Sommer zwei Monate nicht auf Kabeljaufang gehen.</P><P>Nach Darstellung von Künast gab es für ähnliche Beschlüsse zum Schutz des Kabeljaus in der Nordsee keine Mehrheiten. "Dort haben wir keine Gebietsschließung hingekriegt", sagte sie. Allen voran Großbritannien blockierte die ursprünglich von der EU-Kommission auch dort geplante Schutzzone, wie aus den Delegationen verlautete. Aber auch große Fischereinationen wie Frankreich, Spanien und Portugal hätten massive Vorbehalte gehabt. Die 25 EU-Staaten einigten sich darauf, die Zahl der erlaubten Fangtage pro Monat für Kabeljau in der Nordsee durchschnittlich von zehn auf neun zu verringern.</P><P>Wissenschaftler hatten als Ausgleich für Sperrzonen zwei Fangtage weniger gefordert. "Es zeigt zumindest in die richtige Richtung", sagte Künast. "Wir wollten bedeutend mehr.</P><P>Die Umweltschutzorganisation Greenpeace mahnte die EU-Staaten, endlich auf die Empfehlungen der Wissenschaftler zu hören. "Die Beschlüsse werden auch im kommenden Jahr nichts zum dringend notwendigen Schutz von Kabeljau, Scholle und Seezunge beitragen", sagte Greenpeace-Experte Thilo Maack. Im Fall des Kabeljaus, in der Ostsee Dorsch genannt, müssten 40 Prozent der beiden Gewässer unter Schutz gestellt werden.</P>

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