Belegschaft zahlt Preis der Sicherheit

- Stuttgart - Eine Gewerkschaft ist so erpressbar wie ihre Mitglieder. Droht deren Arbeitgeber mit der Verlagerung tausender Arbeitsplätze ins Ausland oder gar mit einer kompletten Streichung, muss sie Zugeständnisse machen und auf liebgewonne Privilegien verzichten. Bei Daimler-Chrysler hat die IG Metall zusammen mit dem Gesamtbetriebsrat 6000 Menschen auf absehbare Zeit den Arbeitsplatz gerettet - auch wenn viele der Beschäftigten des größten deutschen Industrieunternehmens dafür weitgehende Einschnitte hinnehmen müssen.

<P>Einsparungen im Gesamtwert von 500 Millionen Euro pro Jahr hatte Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp gefordert, Einsparungen im Wert von 500 Millionen Euro hat er bekommen. Die Deutschen müssten lernen, dass die Sicherheit ihrer Arbeitsplätze einen Preis habe, sagte Schrempp. In der Nacht hatten sich die Verhandlungsteilnehmer aus Konzernspitze, Betriebsrat und Gewerkschaft endgültig auf das vom Vorstand verlangte Millionen-Sparpaket geeinigt. Dabei wären die Gespräche um ein Haar noch gescheitert, berichtete Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm.</P><P>Insgesamt zwei Nächte schlugen sich die Unterhändler zuletzt um die Ohren, wochenlang hatte der Streit um das Millionenpaket zudem für erhebliche Aufregung und Proteste zehntausender Beschäftigter gesorgt. Mit einem angebotenen Gehaltsverzicht von zehn Prozent pro Jahr hatten die Daimler-Chrysler-Manager zudem der Diskussion über die Höhe von Vorstandsgehältern neue Nahrung gegeben.</P><P>Auch altgewohnte und angesichts der Debatte um längere Arbeitszeiten antiquiert anmutende Privilegien waren in den Mittelpunkt des Interesses gerückt, wie die so genannte Steinkühlerpause, die großen Teilen der baden-württembergischen Beschäftigten fünf freie Minuten pro Arbeitsstunde garantiert sowie Schichtzuschläge. Diese Regelungen haben IG Metall und Betriebsrat zwar in Teilen erfolgreich verteidigt - wohl aber nicht für lange. Denn der scheidende Mercedes-Chef Jürgen Hubbert ließ keine Zweifel daran, dass er den Prozess des Abbaus von "baden-württembergischen Besonderheiten" für nicht aufzuhalten hält. Hubbert hatte die Diskussion über die Privilegien erst richtig losgetreten, als er sie als "baden-württembergische Krankheit" bezeichnete.</P><P>IG Metall und Betriebsrat preisen die Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2012 als "bundesweit einmalig". Insgesamt handele es sich um einen "vertretbaren Kompromiss", meint die Gewerkschaft. Bundeskanzler Gerhard Schröder lobte die Einigung als "Sieg der Vernunft", IG-Metall-Chef Jürgen Peters bezeichnete sie als "gute Lösung für den Standort Deutschland" und die FDP hält die Übereinkunft für ein Modell auch für den Mittelstand. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall sieht das Daimler-Paket in seiner Bedeutung für Wirtschaft und Arbeitsmarkt weit über das Unternehmen hinausstrahlen.</P>

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