BMW belohnt Mitarbeiter mit Prämie

Nach dem eingebrochenen Gewinn im mageren Jahr 2009 mussten die BMW-Mitarbeiter auf die gewohnt üppige Sonderzahlung verzichten. Jetzt gibt es doch noch ein Extra: Tariflich Beschäftigte erhalten im Durchschnitt 1060 Euro.

„Wir haben eine sehr schwierige Zeit hinter uns“, sagte Manfred Schoch. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von BMW hatte aber erstmals nach dem mageren Jahr 2008 und dem von Kurzarbeit geprägten Jahr 2009 auf der gestrigen Betriebsversammlung des Unternehmens den Mitarbeitern Positives zu verkünden: Entgegen früheren Ankündigungen gibt es heuer doch ein Extra „fürs tolle Durchhaltevermögen“ der Beschäftigten, wie Schoch sagte. Eine einmalige freiwillige Sonderzahlung, die für tarifliche Beschäftigte im Schnitt 1060 Euro bedeutet.

Die Zahlung habe er mit Konzernchef Norbert Reithofer erst am Dienstag ausgehandelt. Sie soll aber noch in den nächsten zwei Wochen und damit vor der Urlaubszeit ausgezahlt werden. Sie werde auch nicht mit anderen Leistungen verrechnet. „Das zeigt, dass der Erfolg bei BMW ehrlich geteilt wird“, lobte Schoch. Allerdings liegt die Größenordnung der Sonderzahlung – ein Konzern-Sprecher nannte einen „hohen zweistelligen Millionenbeitrag“ – deutlich hinter dem zurück, was BMW früher an Gewinnbeteiligung an die Mitarbeiter ausschütten konnte.

Die Betriebsversammlung verfolgten nicht nur rund 1500 Mitarbeiter in der Kantine des BMW-Stammwerks in München. Über Bildschirme wurde sie auch in die Werkhallen und an alle anderen deutschen Standorte übertragen. Ministerpräsident Horst Seehofer, der erstmals eine BMW-Betriebsversammlung besuchte, lobte den „partnerschaftlichen Geist“ des Unternehmens und auch die Prämie. „Wertschöpfung ist ohne Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern nicht möglich“, sagte er und nannte BMW als Beispiel für seine Zielvorstellung, „dass jeder mit seinen Talenten und von seiner Arbeit ein zufriedenes Leben führen kann“.

Der Ministerpräsident aus der Audi-Stadt Ingolstadt stellte sich auch klar hinter die führende Rolle, die BMW mit dem künftigen Megacity Vehicle (MCV) bei der Entwicklung der Elektromobilität spielen will. Es sei festes Ziel, den Freistaat zum führenden Elektromobilitätsstandort in Deutschland auszubauen. „Wenn wir den Wettbewerb um das Zukunftsauto nicht gewinnen, wird die Autoindustrie zur Steinkohle des 21. Jahrhunderts“, sagte Seehofer. Da sei er sich mit dem früheren grünen Außenminister und heutigen BMW-Berater Joschka Fischer einig.

BMW-Chef Norbert Reithofer sieht die Extrazahlung an die Mitarbeiter auch als „Ansporn für die nächsten Monate“. Denn mittlerweile ist nicht nur die Kurzarbeit beendet, es werden auch wieder Sonderschichten gefahren. BMW wird, wie Reithofer sagte, in diesem Jahr nicht nur 1000 neue Mitarbeiter einstellen. „Außerdem beginnen im September über 1000 junge Menschen ihre Berufsausbildung bei uns.“ Aber trotz der Sonderzahlung und trotz der jüngst erhöhten Gewinnprognose will Konzernchef Reithofer die Krise noch nicht abhaken. Es gebe nach wie vor viele Risiken für einen tragfähigen weltweiten Aufschwung. „Im ersten Halbjahr 2010 liegen wir immer noch 69 000 Einheiten unter dem Absatz des ersten Halbjahres 2008“, rechnete er vor. „Wir sind noch nicht da, wo wir vor der Krise waren.“

Reithofer forderte von der Politik europaweit einheitliche Standards für die künftige Elektromobilität. Als Unternehmen sieht sich BMW mit seinen radikalen Konzepten für künftige Elektrofahrzeuge auf dem richtigen Weg. „Das Einzige, worauf wir uns wirklich verlassen können, ist der stete Wandel.“ Und auch für ökonomische Rückschläge sieht Reithofer das eigene Unternehmen gerüstet. Das ist eine seiner Erfahrungen aus der Krise: „In schwierigen Zeiten stehen wir bei BMW enger zusammen. Das ist Teil unserer Kultur.“

Martin Prem

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