BenQ-Belegschaft darf noch hoffen: Produktion läuft erst Mal weiter

- München - Nach der Pleite von BenQ Mobile in Deutschland gibt es für die Mitarbeiter der früheren Siemens- Handysparte noch etwas Hoffnung. Der vorläufige Insolvenzverwalter kündigte an, die Produktion werde zunächst bis zum Jahresende fortgesetzt. Während der taiwanesische Mutterkonzern BenQ jede Hilfe ablehnt, versprach Siemens Unterstützung und verteidigte sich gegen harte Kritik.

Insolvenzverwalter Martin Prager sagte am Samstag während einer Pressekonferenz in München , er sei sicher, dass die Weiterführung der Produktion gelingen werde. Ab 1. Januar müsse das Unternehmen aber profitabel sein, "sonst kann es der Insolvenzverwalter nicht fortführen". Prager erklärte zudem, ihm sei an einer Gesamtlösung gelegen: "Wir brauchen einen Käufer -einen Unternehmer, der sich zutraut, das Unternehmen weiterzuführen."

Die Rettung der Gesellschaft mit ihren 3000 Mitarbeitern sei völlig offen. Der deutsche BenQ-Mobile- Chef Clemens Joos appellierte bei derselben Veranstaltung an Unternehmen und Verbraucher, einen Beitrag zur Rettung des Unternehmens zu leisten und dessen Geräte verstärkt zu kaufen. Nach seinen Worten ist das Unternehmen "zu 70 Prozent durch die Restrukturierung durch. Wir haben inzwischen eine sehr wettbewerbsfähige Produktsparte. Die gesamte Belegschaft hatte sich darauf gefreut, jetzt im Weihnachtsgeschäft die Früchte zu ernten." Dass der Mutterkonzern in Taiwan die Zahlungen eingestellt habe, habe auch ihn völlig überrascht. Joos erklärte, es stecke noch sehr viel Know-how und Kapital im Unternehmen.

Wie viel Verlust es derzeit schreibe, wollte er nicht sagen. Eine Million Euro täglich sei "eine alte Zahl -wir reden nicht mehr über die gesamte Gruppe". Insolvenzverwalter Prager bestätigte, die deutsche BenQ Mobile habe nur wenig Schulden. Joos verteidigte zudem Siemens gegen den Vorwurf der Gewerkschaften, die Handysparte mit dem Verkauf an BenQ kaltblütig ans Messer geliefert zu haben: "Ich weiß, dass Siemens damals befürchtet hat, dass das passiert, was jetzt passiert ist -und das war nicht gewünscht", sagte Joos. Aus Politik und Gewerkschaften hagelte es dagegen am Wochenende weiter Kritik an Siemens und Konzernchef Klaus Kleinfeld (siehe rechts).

Siemens hatte seine erfolglose Handy-Sparte im vergangenen Jahr an den Elektronik-Konzern BenQ verkauft. Am Donnerstag war dann bekannt geworden, dass die Muttergesellschaft der deutschen Tochter den Geldhahn zudreht. Siemens bemühte sich derweil, die Wogen zu glätten. "Wir sind wirklich betroffen von der Entwicklung und wollen uns jetzt darauf konzentrieren, wie wir die deutschen BenQ-Mobile-Beschäftigten unterstützen können", sagte Finanzvorstand Joe Kaeser. Er sagte zu, dass die BenQ-Beschäftigten -soweit dies arbeitsrechtlich möglich ist -bei der Vergabe von Stellen im Konzern bevorzugt behandelt werden. Derzeit gibt es bei Siemens in Deutschland nach eigenen Angaben mehr als 2000 unbesetzte Jobs.

Der in Betriebsratskreisen geäußerte Verdacht, die Schließung von BenQ in Deutschland sei ein abgekartetes Spiel zwischen Siemens und BenQ, wies Kaeser entschieden zurück. Der Konzern habe beim Verkauf vor einem Jahr an BenQ an eine langfristige Perspektive geglaubt. Im Gegensatz zu Siemens lehnt der BenQ-Mutterkonzern nach einem Bericht des "Focus" Hilfe für die deutsche Belegschaft ab. Die Taiwaner planten nicht, deutsche Angestellte zu übernehmen. Finanzchef Eric Ky Yu erklärte: "Der Wettbewerbsdruck im Handygeschäft ist sehr hoch. Die Produktentwicklung in Deutschland war nicht schnell genug." Laut "Focus" war der BenQ-Marktanteil im deutschen Markt binnen eines Jahres von 20 auf 14 Prozent im vergangenen Juli eingebrochen. Zu Siemens-Zeiten hätten die Handys noch 29 Prozent Marktanteil gehabt.

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