BenQ-Chef bietet nach Pleite von deutscher Tochter Rücktritt an

Taipeh: - Taipeh/München - Nach dem Zusammenbruch des Handy-Herstellers BenQ Mobile mit seinen mehr als 3000 Arbeitsplätzen in Deutschland hat der Chef des taiwanesischen Mutterkonzerns seinen Rücktritt angeboten.

K.Y. Lee habe sein Amt angesichts hoher Verluste zur Verfügung gestellt, sagte BenQ-Vize-Präsident Jerry Wang am Dienstag in Taipeh. Der Verwaltungsrat habe dies aber abgelehnt. K.Y. Lee solle BenQ so schnell wie möglich in die Gewinnzone zurückführen. An diesem Mittwoch (21. März) kommen die Gläubiger der deutschen Tochter BenQ Mobile unterdessen in München zur Gläubigerversammlung zusammen.

Im vergangenen Geschäftsjahr vergrößerte sich der Verlust des taiwanesischen Elektronikkonzerns deutlich von 5,23 Milliarden auf 27,61 Milliarden Taiwan-Dollar (626 Mio Euro), was die Gesellschaft unter anderem mit Belastungen durch die Pleite der deutschen Handy- Tochter begründete. Der Umsatz von BenQ kletterte im vergangenen Jahr von 162 Milliarden auf 199 Milliarden Taiwan-Dollar (4,51 Mrd Euro). Für das laufende Quartal rechnet der Konzern mit einem leichten Umsatzrückgang gegenüber den Monaten Oktober bis Dezember.

BenQ hatte im vergangenen Jahr die Zahlungen an die im Jahr 2005 übernommene Siemens-Mobilfunksparte eingestellt und damit die Tochter in die Insolvenz geschickt. Anfang des Jahres war das Insolvenzverfahren offiziell eröffnet worden. Ein neuer Käufer für BenQ Mobile fand sich trotz intensiver Verhandlungen nicht. Die meisten Beschäftigten der ehemaligen Siemens-Handysparte sind in Auffanggesellschaften gewechselt oder haben sich einen neuen Job gesucht. Die Handy-Produktion in Kamp-Lintfort ist bereits stillgelegt.

Insolvenzverwalter Martin Prager will bei der Gläubigerversammlung über den Stand des Insolvenzverfahrens informieren. Zu der Veranstaltung, die voraussichtlich nicht öffentlich ist, werden einige hundert Teilnehmer erwartet, darunter vor allem ehemalige Mitarbeiter des Unternehmens sowie Lieferanten. Zuletzt war in einem Zeitungsbericht Anfang Februar unter Berufung auf ein Gutachten Pragers von Schulden in Höhe von 883 Millionen Millionen Euro die Rede gewesen. Die Summe dürfte sich aber mittlerweile erhöht haben, weil weitere Gläubiger ihre Ansprüche geltend gemacht haben.

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