BenQ: Die ersten 1000 müssen gehen

- München - Beim insolventen Handyhersteller BenQ Mobile steht offenbar der Abbau jeder dritten Stelle in Deutschland bevor. Eine Größenordnung von 1000 bedrohten Arbeitsplätzen sei "nicht ganz unrealistisch", sagte die Sprecherin des vorläufigen Insolvenzverwalters Martin Prager. In erster Linie dürfte die Hauptverwaltung des Unternehmens in München betroffen sein.

Die Stellen werden voraussichtlich noch in diesem Monat gestrichen, berichtete die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Bei den Freistellungen handle es sich nicht um Kündigungen. Diese könnten erst nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens ausgesprochen werden. Doch während die anderen Beschäftigten noch die dünne Hoffnung auf eine Rettung des Betriebs haben dürfen, werden die von der Maßnahme Betroffenen wohl keine Zukunft mehr bei BenQ haben.

Bis Jahresende erhalten sie allerdings -ebenso wie die Weiterbeschäftigten -Insolvenzausfallgeld. "Derzeit stehen alle Strukturen auf dem Prüfstand", wurde eine Sprecherin des vorläufigen Insolvenzverwalters Martin Prager zitiert. Dem "FAZ"-Bericht zufolge ist vor allem die Verwaltung überbesetzt, aber auch in der lahmenden Produktion gebe es zu viele Stellen. In München verfüge etwa die Personalabteilung über 50 Mitarbeiter, das Rechnungswesen über 100 und die Datenverarbeitung über 80. Gemessen an der Größe des Unternehmens wäre die Hälfte ausreichend, heißt es in dem Bericht.

Üblicherweise seien Produktion und Entwicklung vom Stellenabbau in der Insolvenz weniger stark betroffen als die Verwaltung, sagte die Sprecherin des Insolvenzverwalters. Heute will Prager gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft nach Hilfen für die Beschäftigten suchen. Dabei soll es auch um die Einrichtung einer Auffanggesellschaft für Mitarbeiter gehen, die bei der anstehenden Umstrukturierung ihren Arbeitsplatz verlieren. "Im Rahmen der angestrebten Auffanglösung soll den von der Insolvenz und der notwendigen Restrukturierung des Unternehmens betroffenen Mitarbeitern eine Zukunftsperspektive geboten werden", hatte Prager erklärt. Um Investoren zur Rettung des Unternehmens zu finden, muss Prager die Struktur verschlanken.

Siemens hat 35 Millionen Euro als Hilfsfonds für die betroffenen Mitarbeiter seiner ehemaligen Handysparte zugesagt. Gewerkschafter hoffen auf gut 200 Millionen Euro für die Auffanggesellschaft. Siemens hat für die Beschäftigten des insolventen Handyherstellers eine Jobbörse eingerichtet. "Wir haben alle technischen und personellen, organisatorischen Voraussetzungen geschaffen, um diesen Mitarbeitern möglichst unbürokratisch und schnell zu helfen", sagte der Siemens-Vorstandsvorsitzende Klaus Kleinfeld. Über die neue Koordinationsstelle könnten freie Stellen bei Siemens an entsprechend qualifizierte Bewerber vergeben werden.

Laut Siemens müssen nach Maßgabe von Insolvenzverwalter Prager jobsuchende BenQ-Mitarbeiter ihr Interesse an einer Siemens-Stelle erst bei ihrer eigenen Personalabteilung bekunden. BenQ Mobile leite die Anfragen dann an Siemens weiter. Auf diesem Weg werde das vereinbarte Abwerbeverbot nicht verletzt, hieß es. Siemens hatte beim Verkauf seiner Handy-Sparte im Juni 2005 mit BenQ ein Abwerbeverbot vertraglich festgelegt. BenQ Mobile hatte vor zwei Wochen Insolvenzantrag gestellt. Das Unternehmen hat in der Münchner Zentrale 1400 Mitarbeiter und in der Produktion in Nordrhein-Westfalen 1600 Beschäftigte.

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