BenQ-Krise zieht Kreise: Jetzt leiden die Zulieferer

- München -­ Der Zusammenbruch der ehemaligen Siemens-Handysparte bringt deutsche Zulieferbetriebe in Nöte. Der Münchner Chipkonzern Infineon streicht wegen der BenQ-Mobile-Pleite 400 Stellen. Der Handy-Ausrüster Balda trennt sich von 1000 Mitarbeitern. Auch Zulieferer wie Dialog Semiconductor und Rohwedder leiden unter dem Ausfall ihres Kunden BenQ Mobile. Rund 2000 Stellen sind bei BenQ Mobile schon vernichtet worden, weil der taiwanische Mutterkonzern sein deutsches Handy-Geschäft aufgibt.

Weitere kommen jetzt bei Zulieferunternehmen hinzu. Der Münchner Chipkonzern Infineon teilte gestern mit, man werde weltweit 400 Arbeitsplätze abbauen, die Hälfte davon in Deutschland. Nach Einschätzung der IG Metall dürften etwa 80 Mitarbeiter in München betroffen sein.

Schon als das BenQ-Mobile-Geschäft noch zu Siemens gehörte, lieferte Infineon Elektronik-Chips für Mobiltelefone. Als deren Verkäufe einbrachen, litt auch Infineon. Das Geschäft mit Handy-chips rutschte in die Verlustzone. Infineon bemühte sich verstärkt um andere Abnehmer ­ gerade nachdem Siemens die Sparte vor einem Jahr an den taiwanischen BenQ-Konzern abgab. Zuletzt gewann man mit Samsung und LG zwei neue Großkunden und wollte mit den Handychips bis Mitte 2007 wieder Gewinn erwirtschaften. Nun kommt es anders.

"Die BenQ-Pleite hat uns zu einem ungünstigen Zeitpunkt getroffen", beklagte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart gestern. In den vergangenen Monaten habe man die Kosten des Bereichs um über 100 Millionen Euro reduziert. Die Insolvenz von BenQ Mobile habe das Unternehmen aber vor eine "völlig neue Situation" gestellt, erklärte Hermann Eul, der im Vorstand für das Segment Kommunikation zuständig ist.

Für das Geschäftsjahr 2006, das zum 30. September endete, seien Belastungen in Höhe von 80 Millionen Euro entstanden. Für das neue Geschäftsjahr erwartet Infineon Umsatzausfälle von 150 Millionen Euro. Gewinn mit den Handychips wird jetzt erst Ende 2007 erwartet. Die Infineon-Aktie gab gestern zwischenzeitlich rund zwei Prozent nach auf rund 9,50 Euro.

Über den Stellenabbau stehe man in Diskussion mit den Betriebsräten, erklärte Finanzvorstand und Arbeitsdirektor Peter Fischl. "Wir bemühen uns, das so sozialverträglich wie möglich zu gestalten." Betroffene Mitarbeiter sollten möglichst in anderen Bereichen untergebracht werden. Ziebart sicherte die Bereitschaft zu, ein Nachfolgeunternehmen von BenQ Mobile ebenso wie den taiwanischen Mutterkonzern mit Chips zu beliefern.

Der nordrhein-westfälische Hersteller von Handy-Schalen Balda kündigte gleichzeitig an, 250 Arbeitsplätze abzubauen und sich von weiteren 750 über den Verkauf seiner drei deutschen Werke in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Sachsen zu trennen. Das Unternehmen rechnet ­ unter anderem wegen der BenQ-Pleite ­ für heuer mit einem Verlust von 45 bis 50 Millionen Euro.

Spuren hinterlässt die BenQ-Misere auch bei der Rohwedder AG (Bermatingen/Bodensee). Der Spezialist für Automatisierungslösungen kündigte an, 1,2 Millionen Euro zurückzustellen. So hoch sei das Ausfallrisiko durch die BenQ-Insolvenz. Beim baden-württembergischen Chip-Entwickler Dialog Semiconductor weitete sich der Verlust im dritten Quartal eklatant aus. Mit 18,1 Millionen Euro überstieg das Defizit den Umsatz von 14,9 Millionen Euro. Zu 40 Prozent seien die Verluste mit der BenQ-Insolvenz zu erklären.

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