BenQ: Möglicher Investor lässt noch auf sich warten

- München ­ - Das neue Jahr wird für den maroden Handyhersteller BenQ Mobile wohl mit der offiziellen Pleitemeldung beginnen. Zwar gibt es nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters Martin Prager einen Finanzinvestor, der erwägt, die Reste des Betriebs mit etwa 1000 Mitarbeitern zu übernehmen. Doch eine Entscheidung steht aus. Und wenn es sie gibt, dann wohl erst, nachdem die Insolvenz offiziell eröffnet wurde.

Knapp zwei Stunden lang erläuterte der vorläufige BenQ-Insolvenzverwalter Martin Prager gestern in einer Betriebsversammlung den Beschäftigten die Lage. Es zeichne sich ab, dass es heuer wohl keine Lösung mehr für die Reste der ehemaligen Siemens-Handy-Sparte geben werde, erklärte Michael Leppek von der IG Metall. Offenbar wolle ein potenzieller Investor erst nach der Eröffnung des Insolvenzverfahrens zugreifen. Dann müsse er keine Verpflichtungen übernehmen und sei auch bei der Auswahl der Mitarbeiter nicht an einen Sozialplan gebunden.

Eine Sprecherin des vorläufigen Insolvenzverwalters bestätigte, dass es neben dem Finanzinvestor einige wenige weitere Interessenten gebe. Diese würden aber mit der Finanzierung kämpfen. Wenn sich bis zum Jahresende kein Investor findet, habe man keine andere Wahl, als zum 1. Januar das Insolvenzverfahren zu eröffnen. Dann würden alle BenQ-Beschäftigten in die Auffanggesellschaften wechseln, wo sie bis zu ein Jahr lang um die 80 Prozent ihrer bisherigen Bezüge erhalten. Die Chance, dass sich vorher ein Investor findet, liege "eher unter 50 Prozent", erklärte die Sprecherin.

Mit dem Wechsel in die Beschäftigungsgesellschaft müssen die BenQ-Mitarbeiter nach IG-Metall-Angaben eine Verzichtserklärung gegenüber Siemens abgeben. Dann hätten sie keine Möglichkeit mehr, gegen den Übergang ihrer Arbeitsplätze von Siemens zu BenQ vor gut einem Jahr gerichtlich vorzugehen. Siemens finanziert die Beschäftigungsgesellschaften und wird dafür nach Gewerkschaftsangaben voraussichtlich zwischen 100 und 130 Millionen Euro ausgeben. Siemens selbst dementierte diese Zahlen. Sie seien zu hoch gegriffen.

Für die meisten derjenigen Beschäftigten, die vor der Insolvenzanmeldung von BenQ Ende September einen Aufhebungsvertrag unterschrieben hatten, gibt es nach wie vor keine Lösung. Sie haben kaum Chancen auf ihre Abfindungen von dem inzwischen insolventen Betrieb und bekommen kein Arbeitslosengeld. Immerhin für etwa 50 von ihnen steht nun aber der Weg in die Beschäftigungsgesellschaften offen, erklärte Leppek. Dies seien die Mitarbeiter, die ihre Stelle erst zu einem Stichtag im kommenden Jahr aufgegeben haben und die derzeit noch bei BenQ tätig sind.

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