BenQ-Pleite: Auffanglösung für Mitarbeiter gefunden

- München -­ Die 3000 Mitarbeiter des zusammengebrochenen Handyherstellers BenQ Mobile erhalten Hilfe. Für die Beschäftigten der ehemaligen Siemens-Sparte haben der Münchner Konzern und die IG Metall eine Auffanglösung vereinbart. Eine andere Hoffnung scheint sich dagegen zerschlagen zu haben. Der koreanische Samsung-Konzern dementierte, dass es Gespräche mit dem BenQ-Insolvenzverwalter gebe.

Solange die Verhandlungen liefen, war Siemens bestrebt, seinen Beitrag zur Unterstützung der BenQ-Beschäftigten möglichst großzügig erscheinen zu lassen, während die Gewerkschaft ihn aus strategischen Gründen kleinredete. Jetzt läuft es umgekehrt. Die Gewerkschaft will bei den "langen, komplizierten Verhandlungen" ein "gutes Ergebnis" erreicht haben, wie Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer sagte. Er erklärte, dass der Beitrag von Siemens realistischerweise zwischen 100 und 130 Millionen Euro liegen werde. Siemens wiederum will den Eindruck vermeiden, dass der Konzern nennenswert belastet werden könnte und dementiert. "Diese Zahlen sind absolut falsch und zu hoch gegriffen", sagte ein Unternehmenssprecher. Weil das Gesamtvolumen von vielen verschiedenen Faktoren abhänge, könne man seriöserweise keine Zahlen nennen.

Fest steht: Es wird ab 1. Januar für ein Jahr sogenannte Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaften in Bayern und Nordrhein-Westfalen geben. Dort werden alle Mitarbeiter aufgenommen, die bei BenQ ihre Stelle verlieren und nicht sofort einen neuen Arbeitsplatz finden. Das dafür nötige Geld stellt Siemens bereit. Die Münchner BenQ-Beschäftigten erhalten in der Beschäftigungs-Gesellschaft 80 Prozent ihres letzten Nettomonatsentgeltes. Außerdem gibt es für die, die aus dieser Gesellschaft ausscheiden ­ abhängig vom Zeitpunkt ­ teilweise Prämien oder Abfindungen in Höhe von 2,5 Bruttomonatsentgelten. Auch die Betriebsrenten sind laut Neugebauer gesichert. Dies werde mit dem Pensionssicherungsverein geklärt.

Wie viele BenQ-Mitarbeiter die Beschäftigungsgesellschaft in Anspruch nehmen müssen, hängt auch davon ab, wie viel des pleitegegangenen Unternehmens der Insolvenzverwalter retten kann. Während knapp 2000 Stellen sicher keine Zukunft mehr bei BenQ haben, sucht der Insolvenzverwalter Martin Prager für etwa 1000 noch eine Lösung. IG-Metall-Chef Neugebauer erklärte: "Jawohl, da gibt es Gespräche, die der Insolvenzverwalter führt." Eine Sprecherin Pragers wollte dies nicht kommentieren. Samsung widersprach deutlich. Eine Sprecherin des Konzerns in Deutschland sagte dieser Zeitung: "Es sind keine Gespräche am Laufen. Samsung bedauert, dass in seinem Namen falsche Hoffnungen geweckt wurden."

Mit der Einigung auf die Beschäftigungsgesellschaften für die BenQ-Mitarbeiter dürfte nun auch der Weg frei sein für weitere Einsparungen in der Siemens-Sparte für IT-Dienstleistungen SBS. Dort will Siemens die Kosten durch Mehrarbeit und Lohnverzicht der Beschäftigten um 100 Millionen Euro reduzieren. Eine entsprechende Vereinbarung mit der IG Metall, die rund 4000 Mitarbeiter in München betrifft, war schon unterschriftsreif, als die BenQ-Pleite dazwischenplatzte. Wenn die jetzt getroffene BenQ-Vereinbarung unterschrieben sei, "werden wir die Gespräche wieder aufnehmen", kündigte Neugebauer an.

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