BenQ: Nur Zeugnisschreiber haben noch viel Arbeit

Insolvenzverfahren: - München -­ Einen Monat nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens bei BenQ Mobile gibt es praktisch keine Aussicht auf einen Investor, der nennenswerte Teile des Handyherstellers retten könnte. Schritt für Schritt löst sich die einstige Siemens-Sparte auf -­ ein Großteil der Beschäftigten in München ist schon weg.

Der Insolvenzverwalter will sich bis zuletzt offen zeigen für Angebote von Investoren. "Es gibt einige Interessenten, mit denen noch Gespräche geführt werden", erklärt eine Sprecherin von Martin Prager. Allzu viel Hoffnung sollte man sich aber nicht machen, fügt sie hinzu. Interessenten wie der ehemalige Daimler-Manager Hansjörg Beha hatten in Aussicht gestellt, hunderte Arbeitsplätze retten zu können. Doch schnell lösten sich die Pläne, die in erster Linie auf staatliche Förderung bauten, auf. Jetzt geht es an die Verwertung der Einzelteile bei BenQ.

Die ersten Schreibtische und Computer ließ Prager im Internet versteigern. "Nicht betriebsnotwendiges Vermögen" heißt das, was in einem Insolvenzverfahren zuerst zu Geld gemacht wird. In einigen Monaten werden Produktionsanlagen folgen. Bis es so weit ist, könnte der Betrieb wieder aufgenommen werden, falls sich doch noch ein Investor fände. Doch das halten Branchenkenner für ausgeschlossen.

Olga Funke ist eine der letzten, die bei BenQ arbeiten. In einem fast leeren Gebäude ist sie ­- wie etwa hundert Kollegen -­ mit der "Abwicklung" beschäftigt. Die 54-Jährige schreibt Zeugnisse. "Wir arbeiten wie am Fließband.", sagt sie. "Die Mitarbeiter benötigen schließlich Zeugnisse für ihre Bewerbungen." Das gilt auch für sie selbst. Ende März wechselt sie nach 17 Jahren bei Siemens und einem bei BenQ in die Beschäftigungsgesellschaft Train. Diese soll die BenQ-Mitarbeiter an neue Arbeitsplätze vermitteln ­- "so viele wie möglich und so schnell wie möglich", erklärt Bianca Leitz von Train. Die Chancen stehen gut.

Im Gegensatz zu den BenQ-Mitarbeitern in Nordrhein-Westfalen, die überwiegend in der Produktion tätig waren, sind die meisten Münchner Beschäftigten auf dem Arbeitsmarkt begehrt. Der Altersdurchschnitt liegt um die 40. Viele sind Ingenieure. So wie Gernot Wirschal. Der 41-jährige Elektroingenieur und Softwareentwickler schätzt die Aussichten, eine neue Stelle zu finden, als "sehr gut" ein. Er ist -­ wie hunderte Kollegen -­ zur BenQ-Jobbörse der Münchner Agentur für Arbeit gekommen. Über 30 Firmen haben dort gestern freie Stellen feilgeboten. "Wir suchen Ingenieure. Allein in München sind bei uns 30 Positionen offen", erklärt Mario Gerl von der Brunel GmbH in Feldkirchen. BenQ war ein Kunde des Unternehmens. "Wir wissen: Da sind viele Leute dabei, die wir brauchen könnten."

Das gilt auch für den Münchner Halbleiterhersteller Infineon. Zwar hat der Konzern wegen der BenQ-Pleite selbst Stellenabbau angekündigt. Doch der betrifft die Kommunikationssparte. Im Bereich Automobil- und Industrieelektronik habe man 70 bis 80 Stellen zu vergeben, von denen viele für ehemalige BenQ-Beschäftigte in Frage kämen, erklärt Personal-Manager Peter Purainer.

"Als Ingenieur braucht man sich nur auf den Marienplatz zu stellen und hat schon einen Job", witzelt Axel Wolf. Er ist Betriebswirtschaftler und sucht eine Stelle in Produktmanagement oder Marketing. Doch auch in diesem Bereich sieht der 37-Jährige, der sieben Jahre für Siemens und BenQ tätig war, "ganz gute Chancen".

Etwa die Hälfte der ursprünglich 1400 BenQ-Beschäftigten in München wechselte in die Beschäftigungsgesellschaft. Von den übrigen sind viele bei Siemens oder anderen Unternehmen untergekommen. Und auch die rund 750 Frauen und Männer bei Train werden rasant vermittelt, erwartet Bianca Leitz: "Schon nach den ersten drei Monaten hoffen wir, dass ein Drittel, vielleicht sogar die Hälfte, einen neuen Arbeitsplatz gefunden hat."

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