Benzinpreis klettert weiter: Keine Entspannung nach den Osterferien

- München - In den Osterferien werden Höchstpreise für Sprit verlangt, anschließend beruhigt sich die Lage wieder. Wer auf Gesetzmäßigkeiten der vergangenen Jahre gebaut hatte, und das Tanken so weit möglich hinausschob, hat diesmal eine Niete gezogen. Gestern kletterten die Spritpreise bis knapp unter das bisherige Allzeithoch: 1,15 für einen Liter Superbenzin, regional sogar bis nahe an die 1,17 Euro.

<P>Die gescholtenen Multis sind diesmal nicht schuld. Denn steigende Rohölpreise und ein mittlerweile wieder steigender Dollar engen ihren Spielraum ein. Die Preise steigen. Von einer "doppelten Dröhnung" spricht Rainer Winzenried von Shell. So sei der Einkaufspreis für Benzin seit März in Rotterdam kontinuierlich gestiegen.</P><P>Der Dollarkurs, in dem abgerechnet wird, kletterte ebenfalls. Deshalb bekommen die Deutschen nun zweifach ab, was ihnen im vergangenen Jahr weitgehend erspart wurde: Damals konnte der schwächelnde Dollar die gestiegenen Ölpreise für Endverbraucher weitgehend abfangen. Nun schlägt der Währungseffekt allerdings heftig zurück.</P><P>In den USA fehlt Benzin mit hoher Qualität</P><P>Dabei sind nicht alle Autofahrer gleichermaßen belastet. Wer Diesel tankt, ist preislich gewissermaßen über den Berg. Leichtes Heizöl hat in Rotterdam im März die Preisspitze erreicht und ist - auf hohem Niveau - leicht rückläufig. So schlägt an der Diesel-Zapfsäule "nur" der Währungseffekt zu Buche.</P><P>Hintergrund der unterschiedlichen Entwicklung ist, so Winzenried, die hohe Benzin-Nachfrage aus den USA. Es fehle dort nicht nur generell an Raffinerie-Kapazitäten und damit am Sprit für die durstigen US-Autos. Es mangelt aufgrund veralteter US-Raffinerien vor allem an der hohen Qualität, die moderne Automotoren erfordern.</P><P>Gleichwohl kritisiert der ADAC, dass die Konzerne "vor dem Hintergrund teuren Rohöls noch den einen oder anderen Cent draufsatteln". Dies beweise die Tatsache, dass die Preise in Deutschland zuletzt stärker gestiegen sind als in anderen europäischen Ländern. Deutschland rücke in der EU-Rangliste der Nettopreise, also nach Abzug aller Steuern und Abgaben, immer weiter nach oben.</P><P>Hilfe erwartet sich die deutsche Politik von den Förderländern. Auf der IWF-Tagung am kommenden Wochenende will die Bundesregierung das Thema zur Sprache bringen. Sie fordert einen Dialog, der zwischen Erdölexporteuren und -importeuren stattfinden soll.</P><P>Ob dies etwas bringt, ist zweifelhaft. Mehr Anlass zur Hoffnung könnte da schon eine angebliche geheime Absprache zwischen US-Präsident George Bush und dem saudischen Königshaus bieten, über die der US-Enthüllungsjournalist Bob Woodward im Fernsehsender CBS berichtete. Demnach sollen die Saudis die Förderung vor der Präsidentenwahl massiv ausweiten, um über fallende Ölpreise eine Wiederwahl des Präsidenten zu unterstützen.</P><P>Langfristig allerdings, da sind sich die meisten Experten einig, gehen die Ölpreise weiter in die Höhe. Grund ist die ungezügelte Nachfrage nach Energieträgern aus China und anderen asiatischen Entwicklungsregionen.</P><P>Allerdings hat diese Entwicklung einen positiven Nebeneffekt: Es wird attraktiver, bislang als unwirtschaftlich erachtete Ölvorkommen zu erforschen und auszubeuten. Auch nachwachsende Energieträger gewinnen an Attraktivität. </P>

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