Benzinpreis auf neuem Rekord, doch Tankstellen machen Verlust

- München - Die Verbraucher mussten noch nie so viel Geld für Benzin ausgeben. Und die Preise dürften weiter steigen. Denn die Tankstellen machen - während die Preise auf neue Rekordstände zustreben - sogar noch Verluste.

<P class=MsoNormal>Die Rechnung von Heino Elfert, Herausgeber des Energie-Informationsdienstes (EID), ist einleuchtend: Der bisherige Höchstwert für Euro-Super wurde im Mai 2004 erreicht. Damals kostete eine Tonne Benzin die Tankstellengesellschaften in Rotterdam 460 bis 480 Dollar pro Tonne. Und die Tankstellen erzielten keinen Gewinn, weil ihre Kosten höher waren. Nun wurden bereits 580 Dollar für die Tonne Benzin gezahlt. Trotzdem haben die Preise an der Zapfsäule nicht in entsprechendem Ausmaß zugelegt. "Höhere Preise für die Endverbraucher lassen sich auf dem Markt nicht durchsetzen", so Elvers. Da nicht alle Tankstellenbetreiber eine Internationale Ölgesellschaft im Rücken haben, trifft dies vor allem Eigentümer freier Tankstellen. Denn Gesellschaften, die an der Öl-Förderung verdienen, können die Tankstellen-Verluste leicht verschmerzen.</P><P class=MsoNormal>"Die Benzinpreise haben sich von den Rohölpreisen abgekoppelt", sagt Elfert. Obwohl auch diese derzeit auf Höchstständen verharren, sind die Preise von Produkten wie etwa Benzin ihnen noch davongeeilt. Ursache ist der fast grenzenlose Durst nach Benzin in den USA. Obwohl die Preise dort um 20 Prozent über Vorjahresniveau liegen, wie der EID berichtet, sei der Verbrauch in den ersten drei Monaten um 1,3 Prozent gestiegen (nach 1,4 Prozent im Vorjahr). Veraltete Raffinerien in den USA mit zu geringer Kapazität gelten als Ursache dieses Phänomens. Die größte Verbrauchsnation der Welt muss das veredelte Produkt Benzin in Tankschiffen aus Europa holen. Die dadurch verursachte Verknappung bei geschrumpften Margen führt dazu, dass die Tankstellen jeden Spielraum bei den Preisen sofort nutzen - um Verluste zu begrenzen. Damit zeichnet sich bereits jetzt ab, dass eine Pfingstreise 2005 besonders teuer werden kann.</P><P class=MsoNormal>Zwar sollen Neubauten von Raffinerien in den USA das "Frühjahrsphänomen" steigender Preise, das nun schon seit dem Jahr 2000 beobachtet wird, dämpfen. Doch das waren nur Ankündigungen. "Die bauen keine", sagt Elfert. Die erste neue Raffinerie mit einer Kapazität von 7,5 Millionen Tonnen soll laut EID erst 2009 in Betrieb gehen. Doch die Benzinimporte der USA seien in den letzten zehn Jahren von 18 auf 41 Millionen Tonnen geklettert. </P><P class=MsoNormal>In China und anderen Ländern Asiens dagegen, wo der Energiebedarf ebenfalls steigt, werde eine ganze Reihe Raffinerie-Anlagen gebaut. Allerdings richtet sich die Nachfrage aus dem Reich der Mitte vorwiegend nach Heizöl unter anderem für Kraftwerke. Sie ist damit eher Ursache für die gestiegenen Preise für Diesel und Heizöl.</P><P class=MsoNormal>So bleibt die Hoffnung auf eine Entspannung im Sommer. Darauf baut Anton Börner, Präsident des Bundesverbands des Deutschen Groß- und Außenhandels. Er spricht von übertriebener Spekulation und einem "soliden Ölpreis von 45 Dollar".</P><P class=MsoNormal>Zahlreiche Experten betrachten die jüngste Goldman-Sachs-Studie, in der über einen Ölpreis von 105 Dollar pro Barrel spekuliert wird, als Ursache des jüngsten Ölpreisanstiegs. Doch nicht jeder nimmt die Studie ernst. "Warum ausgerechnet 105 und nicht 101? Davon halte ich überhaupt nichts", sagt Elfert. Gestern wurde je nach Qualität zwischen 51,65 (Opec-Korbpreis) und 58,15 (asiatischer Handel) Dollar gezahlt. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostete 57,58 Dollar. Der September-Kontrakt für US-Leichtöl kletterte erstmals über 60 Dollar.</P><P class=MsoNormal>Im Vergleich mit früheren Jahrzehnten ist das immer noch nicht viel. Das Preisniveau von 1985 entspricht inflationsbereinigt einem Preis von 80 Dollar pro Barrel. Auch die Auswirkungen auf die Volkswirtschaft schätzen Experten geringer ein als damals. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Mineralölprodukten sei von 1997 bis 2003 von 1,55 Tonnen auf 1,39 Tonnen gesunken.</P>

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