Benzinpreise steigen: Ist daran wirklich nur die Steuer schuld?

- München ­- Nur eines ist sicher: Die Benzinpreise steigen zum Jahreswechsel kräftig. Während die großen Mineralölkonzerne die höhere Steuerbelastung dafür verantwortlich machen, sehen Experten in der Raffgier der Konzerne eine Ursache. Die Gewinnspannen erlaubten, dass die Mehrwertsteuererhöhung nicht weitergegeben wird, meint der Autoclub AvD.

Total-Chef Michael Mallet rechnet gegenüber der "Berliner Zeitung" vor, wie er auf fünf bis sieben Cent mehr pro Liter Kraftstoff kommt. Drei Prozentpunkte Mehrwertsteuer mehr machen drei bis vier Cent pro Liter. Der künftig zu versteuernde Biosprit, der dem Mineral-Benzin oder -Diesel beizumischen ist, bringe weitere zwei bis drei Cent Preiserhöhung mit sich.

Hier widerspricht Sven Janssen vom AvD energisch. Zum einen kann er nur ein bis zwei Cent pro Liter für die Biosprit-Beimischung rechnerisch nachvollziehen. Zum anderen hält er das ganze Argument für vorgeschoben. Er erinnert an das Verhalten der Konzerne, als erstmals Biosprit beigemischt werden musste. Der Bio-Anteil war damals mineralölsteuerfrei. Und doch hätten die Konzerne die damit verbundene Ersparnis damals nicht an ihre Kunden weitergegeben, "sondern in die eigene Tasche gesteckt", so Janssen. "Etwas komische Argumente", nennt er die neuen Rechnungen.

Auch sonst bezweifelt er die Argumente der Konzerne, die gestiegene Abgaben als Hauptursache für die hohen Spritpreise brandmarken. Er vergleicht die Preise für Diesel und Benzin: An den großen Mineralölmärkten kosten beide Varianten ungefähr das Gleiche. Die Mineralölsteuer ist bei Diesel 20 Cent billiger als bei Benzin. Dennoch liegt der Preisunterschied an den Tankstellen bei 12 Cent. Also können die Preise nicht nur von den Steuern abhängen.

Auch ganz konkret sieht der AvD-Sprecher für die zu erwartende Preisexplosion zum Jahreswechsel ganz andere Gründe als höhere Abgaben. Er sieht die zu erwartende Ferien-Reisewelle als preistreibendes Moment und erwartet, dass die Preise nach ein paar Tagen wieder sinken. "Man muss nur über die ersten Tage kommen", sagt er. Wie aber kann ein Autofahrer daran mitwirken, dass die Preise unter Druck geraten? Für Sven Janssen hat jeder dafür den Schlüssel in der Hand. "Bei halbvollem Tank nach günstigen Preisen Ausschau halten und konsequent die billigste Zapfsäule ansteuern", rät er.

Weil den Tankstellenpächtern dann auch beim wichtigen Shop-Geschäft Einnahmen wegbrechen, werden sie selbst sich um sinkende Preise bemühen. Entgegen einer landläufigen Einschätzung schrumpft die Marge der Pächter bei einer Preissenkung an der Zapfsäule nicht. Janssen: "Der Pächter bekommt ­ unabhängig vom Preis ­ immer ein bis zwei Cent pro Liter." Er kann den Preis gar nicht selbst gestalten. Der wird ihm von einer Preisbildungsagentur ­ dem langen Arm der Konzerne bis an die Zapfsäule ­ vorgeschrieben.

Er kann sich aber bei dieser Agentur für günstigere Preise einsetzen. Das klappt meist, wenn billigere Tankstellen in der Nähe Kunden abwerben.

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