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Im Januar waren neue Schwierigkeiten auf der Baustelle für den Hauptstadtflughafen bekannt geworden. Foto: Patrick Pleul/Archiv

Müller behält den Vorsitz

BER-Aufsichtsrat will besser kontrollieren

Berlin - Häufigere Sitzungen, mehr Berichte: Flughafenchef Mühlenfeld muss sich häufiger seinen Kontrolleuren stellen. Die machen Druck - aber zeigen auch auf einen anderen Airport, der mehr Zeit gebraucht habe.

Nach der fünften Verschiebung des Starts am neuen Hauptstadtflughafen will der Aufsichtsrat den Bau wieder enger kontrollieren. Das Gremium werde künftig mindestens alle zwei Monate tagen, kündigte der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) nach einer Sondersitzung am Dienstag an. Üblich sind alle drei Monate. Zudem ändern sich Abläufe auf der Baustelle in Schönefeld, um mehr Tempo zu gewinnen. Bauarbeiter sollen das Terminal nicht mehr Abschnitt für Abschnitt komplett sanieren, sondern nach Gewerken wie Sprinkler, Entrauchung und Türen das Gebäude startklar machen.

„Ich erwarte baldmöglichst einen klar überprüfbaren und belastbaren Terminplan zur Eröffnung“, sagte Müller an der Seite von Geschäftsführer Karsten Mühlenfeld. Ein neuer Termin solle im Frühling genannt werden. Zugleich warnte Müller vor Schnellschüssen und einem politisch gesetzten Termin.

Müller und Mühlenfeld hatten wegen Problemen mit Türen und Sprinklern im Januar das Ziel aufgegeben, den drittgrößten deutschen Flughafen in diesem Jahr endlich zu eröffnen. Der Verkehrsstaatssekretär des Bundes, Rainer Bomba (CDU), machte am Dienstag deutlich, dass er eine Inbetriebnahme im nächsten Jahr für möglich halte.

Nach der Wahl des neuen Berliner Senats und von fünf zusätzlichen Arbeitnehmervertretern konstitutierte sich der Aufsichtsrat neu. Vorsitzender bleibt Müller, erster Stellvertreter ist nun der Gewerkschafter Holger Rößler (Verdi). Er ersetzt in dieser Funktion den Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider, der als zweiter Stellvertreter fungiert.

Hintergrund ist die steigende Mitarbeiterzahl der Flughafengesellschaft, wegen der die Arbeitnehmervertreter mehr Gewicht im Aufsichtsrat erhalten. Neu in dem nun zwanzigköpfigen Kontrollgremium sind auch die Senatoren Dirk Behrendt (Grüne, Justiz) und Klaus Leder (Linke, Kultur). Sie vertreten das Land Berlin als einen von drei Eigentümern neben Brandenburg und dem Bund.

Umbaubedarf gibt es nicht nur an rund 1000 Türen im Terminal, sondern auch an der Sprinkleranlage, wie Mühlenfeld sagte. 30.000 zusätzliche Sprinklerköpfe waren eingebaut worden, nun reicht an einigen Stellen der Wasserdruck nicht, dickere Rohre müssen nachgezogen werden. Offen sei, wie lange die Arbeiten dauern und ob dadurch Änderungen an der Brandmeldeanlage nötig werden.

„Das Ding muss fertiggebaut werden, hoffentlich in den nächsten eineinhalb Jahren“, sagte Neu-Aufsichtsrat Leder der „taz“ (Dienstag). Bei einer Podiumsdiskussion am Montagabend in Berlin hatte der Kultursenator gescherzt, der neue Senat habe ihn wohl in das Gremium entsandt, weil er in seinem Amt auch für den Denkmalschutz zuständig sei.

Müller muss an diesem Mittwoch Rechenschaft über die Ausgaben für den Flughafen ablegen. Der für Finanzen zuständige Hauptausschuss erwartet dazu einen vertraulichen Bericht.

Der Regierungschef betonte, dass Projekt habe die „Schlusskurve“ erreicht. Heute lägen erstmals alle Genehmigungen vor. „Wir haben zwischen 2012 bis 2014 zwei Jahre sinnlos vertan“, zitierte Müller Baufirmen und andere Aufsichtsräte, die er aber nicht namentlich nannte. Seither sei viel abgearbeitet worden. Zudem verwies er auf Schwierigkeiten bei anderen öffentlichen Bauprojekten. „Der Flughafen München hat von der ersten Beschlussphase bis zum ersten Abflug 25 Jahre gebraucht.“ Im Fall Schönefeld erfolgte der Beschluss im Juni 1996.

dpa

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