Beratung im Reisebüro nicht mehr kostenlos

- München - Passagiere von Lufthansa und rund 20 anderen deutschen Airlines müssen sich auf höhere Preise einstellen. Weil die Fluggesellschaften den Reisebüros ab sofort keine Provision mehr zahlen, können sie eine Gebühr für Ausstellung des Tickets und Beratung direkt von den Kunden holen. Der Präsident des Deutschen Reisebüro und Reiseveranstalter Verbandes (DRV), Klaus Laepple, erläuterte die Neuregelungen und die Auswirkungen auf die Reisenden.

<P>Die Lufthansa und andere Fluggesellschaften zahlen ab 1. September keine Provision mehr an Reisebüros für den Ticketverkauf. Stattdessen können die Reiseagenturen eine Servicegebühr für Beratung und Verkauf vom Kunden verlangen. Seit 1. September gibt es die neue Servicegebühr. Wie viel mehr müssen die Kunden jetzt für eine Flugbuchung zahlen?<BR><BR>Laepple: Das kommt darauf an, welchen Service sie beim Reisebüro nachfragen. Eine Flugbuchung mit einem Preis-Leistungs-Vergleich über alle Airlines und der gezielten Suche nach dem günstigsten Angebot kostet in vielen Reisebüros zirka zwischen 40 und 50 Euro. Die Direktvertriebs-Plattformen der Airlines mögen günstiger sein. Sie bieten aber keinen Preisvergleich mit den Angeboten der Wettbewerber an. Das heißt, der Kunde bekommt gar nicht mit, ob er mit einer anderen Airline günstiger fliegen würde.<BR><BR>Profitieren die Reisebüros von der Entwicklung oder erwarten Sie, dass viele Reisebüros jetzt schließen müssen?<BR><BR>Laepple: Erst einmal hat das Reisebüro mit dem neuen Preismodell der Lufthansa zwei Probleme: Es muss dem Kunden erklären, dass er mehr bezahlen muss, weil die Airline die Provision einstreicht. Und das Reisebüro muss - wegen der fehlenden Provision - das Loch in seiner Kasse stopfen. Ein Vorteil ist dies nicht. Es besteht in der Tat die Gefahr, dass viele auf Flug spezialisierte Reisebüros in die roten Zahlen geraten. Ob das so kommt, hängt davon ab, ob der deutsche Verbraucher und vor allem die mittelständischen Unternehmen bereit sind, zwei Preise zu bezahlen: einen für den Flug und einen für den Ticketverkauf. Sagen kann dies bislang niemand. Das Ergebnis ist offen.<BR><BR>Müssen die Kunden auch bei Charter- oder Billig-Gesellschaften tiefer in die Tasche greifen?<BR><BR>Laepple: Nein, und genau darin liegt die Gefahr für Lufthansa und die anderen Linienfluggesellschaften, die ebenfalls ihr Preismodell umgestellt haben. Die Reisebüros, die Internetportale und die Call Center verlangen genau dann ein Vermittlungs-Entgelt, wenn sie ihre Kosten nicht durch eine Provision decken können. Die Charter-Gesellschaften halten am Provisionssystem fest, übrigens auch einige Billigflieger wie Hapag-Lloyd Express. Wer bei diesen Fluggesellschaften bucht, für den ändert sich nichts.<BR><BR>Einige Fluggesellschaften wie DBA, GEXX oder ausländische Linien zahlen immer noch Provision. Werden die Reisebüros deshalb künftig stärker als bisher auf die Angebote dieser Firmen ausweichen?<BR><BR>Laepple: Dies ist zu erwarten. Doch die Entscheidung für oder gegen eine Buchung liegt beim Kunden. Und der wird auch in Zukunft genau darauf achten, was unter dem Strich steht. Den Großteil der Flugkosten macht auch künftig der eigentliche Flug aus. Hier kann der Kunde richtig sparen, vorausgesetzt, er setzt das Reisebüro für die Suche nach dem besten Angebot ein. Das Vermittlungsentgelt wird das sicherlich wert sein.<BR><BR></P>

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