Berechnungen der Bundesbank

Staat spart 120 Milliarden an Zinsen

Berlin – Bund, Länder und Gemeinden haben sich seit 2007, dem Jahr des Ausbruchs der Euro-Krise, 120 Milliarden Euro an Zinszahlen gespart.

Dies geht aus bislang unveröffentlichten Berechnungen der Bundesbank hervor, über die die „Welt am Sonntag“ berichtet. Allein 2012 habe sich die Zinsersparnis auf gut 28 Milliarden Euro belaufen, 2013 sogar auf 37 Milliarden. Der Löwenanteil – 20 Milliarden im Jahr 2012 und 25 Milliarden im Jahr 2013 – entfiel demnach auf den Bundeshaushalt von Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

Laut Bundesbank habe der durchschnittliche Zinssatz, den der deutsche Gesamtstaat noch im Jahr 2007 auf seine Schulden zahlen musste, bei 4,3 Prozent gelegen. Er sank aufgrund der Billigzinspolitik der Europäischen Zentralbank bis 2013 auf nur noch 2,6 Prozent und dürfte 2014 noch darunter liegen, weil immer mehr umlaufende Alt-Anleihen mit noch hohen Zins-Coupons auslaufen. Außerdem parken wegen der durch die Russland-Sanktionen ausgelösten Konjunkturängste viele internationale Anleger ihr Geld in sicheren deutschen Wertpapieren, was deren Rendite weiter drückt.

Allianz-Studie: drastische Einbußen für deutsche Sparer

Umgekehrt hatte eine kürzlich von der Allianz vorgelegte Studie drastische Einbußen für deutsche Sparer ergeben: Eine Hochrechnung des Versicherungskonzerns auf Basis des aktuellen Zinsniveaus ergab, dass ein Sparer heuer durchschnittlich 72 Euro weniger an Zinseinnahmen kassiert als vor Ausbruch der Eurokrise. Der Zinsersparnis der Finanzminister stehen außerdem eingegangene Haftungsrisiken aus dem Eurorettungsfonds gegenüber.

Der frühere sächsische Finanzminister und Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) kritisierte, der Staat nutze die aktuelle „Schönwetterphase“ zu wenig zu einer durchgreifenden Konsolidierung der Haushalte. Schwinge das Pendel in Richtung des langjährigen Zinsdurchschnitts zurück, könne die Schuldenbremse nicht eingehalten werden.

Allerdings deutet derzeit wenig auf einen Zinsanstieg hin. Zuletzt ergab sich für zweijährige Anleihen des Bundes sogar ein minimaler Negativzins von 0,001 Prozent. Das heißt: Käufer waren auf der Suche nach Sicherheit sogar bereit, eine wenn auch winzige Minus-Rendite hinzunehmen. Zugleich wiesen kürzere Anleihe-Laufzeiten eine höhere Verzinsung auf. Dies ist ungewöhnlich, da längerlaufende Papiere gemeinhin mehr Rendite abwerfen. Finanzexperten sprechen von einer „inversen“ Zinsstruktur. Diese habe in der Vergangenheit oft Rezessionsgefahren für die Wirtschaft angezeigt.

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geo

Rubriklistenbild: © dpa

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