EZB bereitet Zinserhöhung vor

- Frankfurt - Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Leitzinsen zunächst unverändert gelassen, steuert aber auf eine baldige Zinserhöhung zu. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet ließ gestern keinen Zweifel daran, dass die Währungshüter wegen der hohen Inflation bald die Zinsen anheben werden. "Wir sind bereit uns zu bewegen, wann immer es notwendig ist", sagte Trichet. "Wir haben das Für und Wider einer Zinserhöhung diskutiert. Große Wachsamkeit ist angebracht."

Ökonomen erwarten eine Erhöhung des Leitzinses von 2,0 auf 2,25 Prozent bereits im Dezember. Es wäre die erste Zinsänderung seit Juni 2003 und die erste Erhöhung seit Oktober 2000. Am Donnerstag ließ der EZB-Rat in Frankfurt den wichtigsten Leitzins auf dem historisch niedrigen Niveau von 2,0 Prozent. Die Zinsen seien "noch angemessen", sagte Trichet. Damit rückte der oberste Notenbanker von der normalen Formulierung "angemessen" ab. Der Präsident betonte, dass eine Zinserhöhung nicht dem Ziel von mehr Wachstum und Beschäftigung widersprechen würde. Der scheidende Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) hatte die EZB aufgefordert, die Zinsen um des Wirtschaftswachstums willen niedrig zu halten.´

Als wichtige Argumente für eine künftige Erhöhung nennen Volkswirte neben der hohen Inflationsrate die allmähliche Erholung der Wirtschaft und die stark wachsende Geldmenge und Kreditvergabe. Die Konjunktur im Euro-Raum habe sich seit Mitte des Jahres belebt, sagte Trichet. "Die Wirtschaft hat erhebliche Widerstandskraft gegen den Ölpreisschock gezeigt, gestützt von dem verantwortungsvollen Verhalten der Tarifparteien." Die Notenbank hat die Furcht, dass hohe Lohnabschlüsse die Inflation weiter antreiben könnten. Diese so genannten Zweitrundeneffekte sind laut Trichet "der Hauptfeind" der EZB.

Risiken für einen moderaten Aufschwung sind laut Trichet das geringe Verbrauchervertrauen und die Ölpreise. Angeheizt von den hohen Ölpreisen betrug die Teuerungsrate im Oktober in den zwölf Euro-Ländern 2,5 Prozent. Nach Schätzung der EZB wird die Inflationsrate in diesem Jahr über der entscheidenden Zwei-Prozent-Marke liegen.

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