Berlin will sich diesmal nicht von Frankreich unterbuttern lassen

Airbus: - Berlin ­- Über Monate versuchte die Bundesregierung, die Schieflage bei Airbus nach betriebswirtschaftlichen Regeln zu lösen. Sie sträubte sich, ein 7,5 Prozent schweres Aktienpaket am Mutterkonzern EADS, das Daimler-Chrysler loswerden wollte, über die staatseigene KfW-Bankengruppe aufzufangen.

Irgendetwas muss Bundeswirtschaftsminister Michael Glos nun aus der Vorstellung gerissen haben, die Lasten würden im deutsch-französischen Konzern gerecht verteilt. Airbus-Co-Chef Tom Enders hatte vor 300 Gästen in Berlin den Verzicht auf ganze Airbus-Werke angekündigt. Einen Tag später verlangte Glos ein Mitspracherecht der Bundesregierung beim neuen Konzept der Unternehmensspitze.

Am Wochenende legte er nach: "Wir bestehen darauf, dass Deutschland als Hochtechnologie-Standort von Airbus -­ insbesondere im Rumpfbau -­ bestehen bleibt. Sollte das nicht der Fall sein, so müsste Deutschland seine Rüstungsaufträge bei der Airbus-Konzernmutter EADS überprüfen."

Doch stößt diese Drohung an enge Grenzen. "Die wesentlichen Projekte laufen", sagt Ulrich Horstmann, Luftfahrtanalyst der Bayern LB: "Der Eurofighter, das Transportflugzeug A 400M und die Hubschrauber NH 90 und Tiger". Erst bei neuen Aufträgen kann man nach Alternativen suchen, etwa in Amerika, was aber auch keine deutschen Arbeitsplätze bringt.

In der Koalition war man nicht glücklich. Deutschland drohe nicht, sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg dazu, es suche seine Interessen zu wahren, und dies mit großem Nachdruck. Jenseits der Drohung aber dürfte Glos die Unterstützung von Kanzlerin Angela Merkel haben. Denn bei diesem Konzern mit seinem Sonderstatus auch als Rüstungsproduzent geht es nicht nur um ein unternehmerisches Problem. Arbeitsplätze sind bedroht und der Technologiestandort Deutschland. Glos machte klar, dass er nicht "vor vollendete Tatsachen gestellt werden will". Die Regierung will in die Entwicklung der Sanierungsstrategie einbezogen werden -­ nicht nur "formhalber".

Das Signal, so hieß es, müsse eindeutig sein: "Wir lassen uns nicht unterbuttern." Paris agiert "im Hintergrund und über personelle Verflechtungen". Natürlich erwartet man an der Seine, dass Airbus-Chef Louis Gallois die Unternehmenspolitik nach französischen Vorstellungen ausrichtet. Es stehen zwei Philosophien gegenüber, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Die Franzosen haben keine Schwierigkeiten, in die Unternehmenspolitik einzugreifen, wenn es im Sinne des Landes ist. "Es könnte künftig das korrigierende Gegengewicht fehlen", sagt Luftfahrtanalyst Horstmann. Allerdings macht er klar, dass er nicht einen deutschen Neueinstieg für sinnvoll hält, sondern den Rückzug aller Staaten. Er sieht in den Problemen auch eine Folge von zu viel Staatseinfluss.

Die Deutschen versuchen ihre Optionen "treuhänderisch" über Unternehmen zu wahren, bei Airbus über Daimler-Chrysler. Bisher waren die Franzosen schneller und härter. Diesmal ist allerdings der Einsatz wesentlich höher als bisher. Die Auseinandersetzung dürfte nicht zimperlich verlaufen.

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