Berlusconi greift nach ProSieben

- München -­ Gibt es bald TV all'italiana in Germanien? Der italienische Medienkonzern Mediaset will die Übernahme des Münchner Senders ProSiebenSat.1 prüfen. Das TV-Imperium von Italiens Ex-Ministerpräsidenten und Medien-Mogul Silvio Berlusconi entscheidet am Dienstag (7. November) über ein Angebot für 50,5 Prozent der ProSiebenSat.1-Anteile, bestätigten die Italiener einen Bericht der römischen Zeitung "Il Messaggero".

Für "die große Schlange" (il Biscione) Berlusconi wäre der größte deutsche Fernseh-Konzern laut "Messaggero" ein leckerer Bissen, um auf dem deutschen Markt Fuß zu fassen. Zumal er zu Hause wegen seiner Medienmacht Ärger seitens der Politik zu erwarten habe. Dort wird derzeit an einer Medien-Reform gearbeitet, um die starke Markt-Konzentration aufzulockern. Mediaset versammelt laut der Zeitung knapp über die Hälfte der Fernseh-Werbeeinnahmen in Italien auf sich. Der Konzern in Mailand setzte zuletzt mit 5800 Mitarbeitern 3,68 Milliarden Euro im Jahr um.

"Ob es Sinn macht, dass Mediaset ProSiebenSat.1 übernimmt, ist letztlich immer eine Frage des Preises", sagte Florian Leinauer, Medien-Experte der Helaba, gegenüber dieser Zeitung. ProSiebenSat.1 steht dank gestiegener Werbeeinnahmen und der Restrukturierung nach dem Verkauf an den US-Milliardär Haim Saban wirtschaftlich gut da. Nach dem, was die Beschäftigten in Unterföhring bisher alles mitgemacht haben, hält sich der Schrecken über das Interesse aus dem Süden in Grenzen. Berlusconi ist ein gewiefter Geschäftsmann, der "einen Teufel tun werde, unseren Laden zu ruinieren", sagte ein Mitarbeiter (siehe Umfrage unten). ProSieben selbst nahm dazu keine Stellung.

Medienzusammenschlüsse über Grenzen hinweg böten wenig strategische Vorteile. Das sehe man auch an dem international agierenden Sender RTL, dessen Margen nicht wesentlich unterschiedlich seien. Leinauer sieht jedenfalls kaum Kostensynergien.

"Ein Wechsel des Besitzers halte ich aber für sehr wahrscheinlich, weil die Derzeitigen Finanzinvestoren sind, die irgendwann raus wollen", sagte Leinauer. "Aber ob es Mediaset sein wird, da bin ich skeptisch." Neben den verschiedenen Interessenten könne er sich vorstellen, dass irgendeine große amerikanische Gesellschaft, die in Deutschland auf dem Werbe- und Medienmarkt Fuß fassen möchte, bei ProSieben einsteigt. Im Gespräch sind unter anderen auch die Finanzinvestoren KKR und Permira.

Egal, wer bei ProSieben einsteigen will, der werde in erster Linie für die stimmberechtigten Stammaktien einen womöglich höheren Preis bieten. Von denen hält die Gruppe um Saban 88 und der Springer-Verlag 12 Prozent. Saban hatte den Sender 2003 aus der Konkursmasse von Leo Kirch, einem alten Bekannten von Berlusconi, übernommen. Die Übernahme von ProSieben durch Springer war am Veto des Kartellamtes gescheitert.

Mit 50 Prozent plus X der Stammaktien hätte der neue Besitzer das Sagen in dem Sender. Für die andere Hälfte der Aktien, den an der Börse gehandelten Vorzugsaktien, wird der Käufer laut Leinauer höchstwahrscheinlich nur ein Mindestangebot vorlegen (wozu er per Gesetz verpflichtet ist). Das errechnet sich aus dem Durchschnittskurs der letzten drei Monate.

Den (Vorzugs-)Aktionären rät der Medien-Analyst, die ganze Übernahme-Spekulation auszublenden und die Investition in ProSieben weiter fundamental zu betrachten: Wie läuft das Geschäft und wie entwickelt sich der Markt? "Die Aktie ist schon ganz gut bewertet und der Werbemarkt gilt als gesättigt." Berlusconi setzte seine Sender massiv zur politischen Parteinahme in seinen Wahlkämpfen ein. Das wäre neu in der deutschen Fernseh-Landschaft: Nur wird Berlusconi hierzulande kaum ein politisches Amt anstreben.

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