VW: Bernhard mit ersten Entscheidungen

- Wolfsburg - Europas größter Autobauer Volkswagen hat beim Absatz auf dem weltweit wichtigsten Markt USA erneut einen schweren Rückschlag hinnehmen müssen. Ein Sprecher des Unternehmens begründete den Einbruch am Mittwoch in Wolfsburg auch mit dem Modellwechsel bei Passat und Jetta. Der neue Passat wird im Sommer auf dem US-Markt eingeführt, der Jetta ist im Anlauf.

<P>Die neuen Hiobsbotschaften aus den USA trafen zusammen mit den ersten Entscheidungen des großen Hoffnungsträgers in Wolfsburg - VW- Markenvorstand Wolfgang Bernhard.<BR><BR>Die Verkaufszahlen des Konzerns in den USA brachen allein im April binnen Jahresfrist um 28,1 Prozent auf 18 458 Fahrzeuge ein. Alle wichtigen Modelle liefen wesentlich schlechter als im Vorjahresmonat. Von Januar bis April 2005 verkaufte VW in den USA 61 336 Autos und damit 18,9 Prozent weniger als im Vorjahr. Häufiger verkauft als in dem entsprechenden Vorjahreszeitraum wurde hierbei nur der Jetta mit einem Plus von gut zehn Prozent.<BR><BR>Der Jetta musste im April aber ebenfalls Einbußen hinnehmen. Von der neuen Limousine wurde 7498 Stück verkauft, gut sechs Prozent weniger als vor Jahresfrist. Beim auslaufenden Passat ging der Absatz im April sogar um 54,4 Prozent auf 3408 zurück. Der Geländewagen Touareg büßte 34,9 Prozent auf 1410 Fahrzeuge ein. Vom Phaeton verkaufte VW im April nur noch 61 (Vorjahr: 173) Wagen.<BR><BR>Damit gehört der US-Absatzmarkt und vor allem die Marke VW weiter zu den großen Sorgenkindern der Konzerns. Zur Sanierung der Kernmarke richten sich hohe Erwartungen jetzt vor allem auf den ehemaligen DaimlerChrysler-Manager Bernhard. Er hatte am Montag sein Amt als neuer Markenvorstand offiziell angetreten, nachdem er bereits seit Februar dem Vorstand als "Minister ohne Ressort" angehört.<BR><BR>"Wesentliche Weichenstellungen" habe Bernhard bereits in die Wege geleitet, heißt es in Wolfsburg. Dazu gehört etwa die Einführung von Produktklausuren, bei denen die Belegschaft aufgefordert wird, über die Kostenstrukturen beim Bau bestimmter Modelle nachzudenken und Verbesserungen vorzuschlagen. Am Dienstagabend nahm Bernhard erstmals an regelmäßigen internen Gesprächen zum Sparprogramm ForMotion teil. Wo immer er auftrete, bekomme er viel Applaus, hieß es.<BR><BR>Unmittelbar nach seinem Amtsantritt griff Bernhard auch in die Personalpolitik des Konzerns ein und wechselte den Motorenchef der angeschlagenen Volkswagen-Kernmarke aus. Er berief zum 1. Mai den bisherigen Leiter "Entwicklung Reihenottomotoren und Vorentwicklung Ottomotoren" der Tochter Audi, Rudolf Krebs, zum Chef der AggregateEntwicklung. Krebs übernimmt die Position von Helmut Endres, der neue Aufgaben im Konzern wahrnehmen soll.<BR><BR>Daneben habe Bernhard auch erste organisatorische Veränderungen vorgenommen, hieß es weiter. Jeder Bereich - von der Entwicklung über die Produktion bis zum Qualitätsmanagement - werde künftig noch stärker an der Qualität des Produkts gemessen und dafür in die Verantwortung genommen.<BR><BR>Bernhard verantwortet die Markengruppe VW, zu der auch Skoda, Bentley und Bugatti gehören. Die Gruppe war 2004 in die roten Zahlen gerutscht. Im ersten Quartal 2005 verzeichnete sie ein Minus von 53 Millionen Euro, nach Verlusten von 71 Millionen im Vorjahreszeitraum. Weitere Verkaufsförderungsmaßnahmen und Wechselkurseinflüsse seien wesentliche Faktoren für das unbefriedigende Ergebnis, hieß es im Quartalsbericht. Bisher hatte Konzernchef Bernd Pischetsrieder die Gruppe Volkswagen neben seinem Job als Vorstandschef selbst geführt.</P>

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