Bertelsmann beschließt: "Onkel Stein" muss gehen

- München - Als gnadenloses Jurymitglied in "Deutschland sucht den Superstar" ist Thomas Stein, der Deutschland-Chef der Bertelsmann-Musiksparte BMG, einem Millionenpublikum bekannt geworden. Doch jetzt musste "Onkel Stein" selbst erfahren, wie es sich anfühlt, von der Bühne abzutreten. Europas größter Medienkonzern trennte sich abrupt von seinem Aushängeschild.

<P>Nachdem er bereits Anfang 2003 einen großen Teil seiner Verantwortung als Europachef hatte abgeben müssen, trat Stein "mit sofortiger Wirkung" auch vom Posten des Deutschlandchefs zurück.<BR><BR>Zu den Gründen schwieg Bertelsmann offiziell. BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz lobte Stein als "Führungspersönlichkeit von herausragendem Wert". Doch in der Branche hieß es hinter vorgehaltener Hand, Stein sei es zwar gelungen, den BMG-Marktanteil in Deutschland nicht zuletzt durch den Erfolg von "Deutschland sucht den Superstar" zu steigern. Doch seien die Ergebnisse hinter den Erwartungen zurückgeblieben.<BR><BR>Stein ist das vorerst letzte Opfer bei einem großen Stühlerücken in der Musikindustrie. Bereits am Dienstag hatte sich BMG vom Präsidenten seines Erfolgslabels Arista, Antonio "L.A." Reid, getrennt. Und am Donnerstag hatte der weltweit größte Musikkonzern Universal Music bekannt gegeben, dass ihn sein Deutschlandchef Tim Renner zum Monatsende verlässt.<BR>Der Hintergrund der abrupten Trennung dürfte in allen Fällen der gleiche sein. Die alten Manager passen nach Meinung der Musikkonzerne nicht in die neue Zeit. </P><P>Eine Flut von Raubkopien und die Internet-Tauschbörsen haben die Umsätze der einstigen Glitzerbranche dramatisch einbrechen lassen. Und Universal Music, Sony Music, EMI, Warner Music und Bertelsmann Music Group suchen deshalb ihr Heil in einem drastischen Sparkurs. Weg vom Glitzerimage, hin zur kühlen Kalkulation: So heißt deshalb die Devise. Und: Konzentration auf die Bereiche, die Gewinn bringen. "Die Musikindustrie stellt sich neu auf. Kreative Erfolge müssen sich im Ergebnis wiederfinden. Das erfordert einen anderen Managertyp als in der Vergangenheit", sagte ein Branchenkenner. Da halfen Stein auch die in seiner Ära als Deutschland-Chef von BMG fallenden Erfolge von Yvonne Catterfeld, Lou Bega oder DJ Bobo nichts.</P><P><BR>Mit seinem Abgang ist Stein also nicht alleine. Er hat aber einen Trost. Seine Rolle als scharfzüngiger "Onkel Stein" bei "Deutschland sucht den Superstar" bleibt ihm erhalten, wie Bertelsmann betonte.</P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

BASF verdient im Schlussquartal deutlich mehr
Ludwigshafen (dpa) - Der Chemiekonzern BASF hat im Schlussquartal 2016 wieder von höheren Öl- und Gaspreisen profitiert. Aber auch die Sparte mit Basischemikalien …
BASF verdient im Schlussquartal deutlich mehr
VW-Aufsichtsrat berät über neues Vergütungssystem
Wolfsburg (dpa) - Der Aufsichtsrat von Volkswagen kommt heute zu Beratungen unter anderem über eine Reform des umstrittenen Vergütungssystems zusammen. Demnach soll …
VW-Aufsichtsrat berät über neues Vergütungssystem
Debatte um Managergehälter - Eigentümer am Zug
Gehaltsexzesse und abgehobene Abfindungen für Manager gehören an den Pranger, findet Merkur-Redakteurin Corinna Maier, eine Gehaltsgrenze durch den Gesetzgeber ist aber …
Debatte um Managergehälter - Eigentümer am Zug
Angeklagtem VW-Manager drohen 169 Jahre Haft
Detroit - Einem deutschen VW-Manager droht in den USA eine mehr als lebenslange Strafe wegen angeblicher Beteiligung am Abgas-Skandal. Sein Anwalt plädiert auf …
Angeklagtem VW-Manager drohen 169 Jahre Haft

Kommentare