Bertelsmann erwägt anscheinend Verkauf von US-Clubsparte

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Gütersloh (dpa) - Europas größter Medienkonzern Bertelsmann erwägt einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (Montag) zufolge den Verkauf seiner Direktkundengeschäfte in den USA.

Die Clubgeschäfte, zu denen der Buchclub Bookspan und der Musik- und DVD-Club Columbia House gehören, waren erst vor wenigen Wochen vom europäischen Clubgeschäft getrennt und der Bertelsmann Buchverlagssparte Random House (New York) zugeschlagen worden. Ein Bertelsmann-Sprecher wollte den Bericht am Montag nicht kommentieren.

An diesem Donnerstag wird auf einem Management-Kongress in Berlin eine Grundsatzrede des neuen Vorstandsvorsitzenden Hartmut Ostrowski zur künftigen Konzernstrategie erwartet. Vor wenigen Tagen war bekanntgeworden, dass Bertelsmann die restlichen 10,2 Prozent der Aktien an der Luxemburger RTL-Group kaufen will. Bisher hält Bertelsmann 89,8 Prozent an der RTL Group. Die Kosten dafür werden auf mindestens 1,2 Milliarden Euro geschätzt.

Mit dem US-Clubgeschäft hatte es seit längerer Zeit Unzufriedenheit in der Gütersloher Konzernzentrale gegeben. Im Jahr 2005 hatte die Bertelsmann-Clubsparte Direct Group auf Initiative ihres scheidenden Vorstandsvorsitzenden Ewald Walgenbach für 400 Millionen Euro den DVD- und Musikclub Columbia House gekauft. 2007 wurde die 50-Prozent-Beteiligung an Bookspan für 112 Millionen Euro auf 100 Prozent aufgestockt.

Die "Financial Times" schreibt unter Berufung auf mit dem Vorgang vertraute Personen, bei den jüngsten Zukäufen könnte es wegen Problemen mit der Zusammenführung mit bestehenden Unternehmensteilen zu einer Wertberichtigung in Höhe von 100 Millionen Euro kommen. Im Oktober hatte sich die Bertelsmann- Clubsparte Direct Group von Finanzvorstand Reinhard Liedl getrennt.

Die Direct Group hat im vergangenen Jahr mit weltweit 15 000 Beschäftigten einen Umsatz von 2,7 Milliarden Euro erzielt, davon rund eine Milliarde Euro in den USA. Das Clubgeschäft gilt als Keimzelle des Gütersloher Medienkonzerns. Nachkriegsgründer Reinhard Mohn hatte mit der Clubidee den Grundstein für das rasche Wachstum des einstigen Verlagshauses gelegt. Neben dem Amerika-Geschäft stehen dem Bericht der "Financial Times" zufolge weitere Clubgeschäfte zur Disposition. Lediglich der deutsche Club, lange Zeit das größte Sorgenkind innerhalb der Sparte, werde bei den Verkaufsüberlegungen ausgeklammert.

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