Bertelsmann steigt aus Musikgeschäft mit Sony aus

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Gütersloh/Tokio (dpa) - Der Gütersloher Medienkonzern Bertelsmann zieht sich 50 Jahre nach der Gründung des Plattenlabels Ariola aus dem Musikgeschäft weitgehend zurück.

Bertelsmanns 50 Prozent der Anteile an dem 2004 gegründeten Partnerunternehmen Sony BMG, dem weltweit zweitgrößten Musikunternehmen, würden an Sony verkauft, teilten beide Unternehmen am Dienstag mit. Das Unternehmen mit Sitz in New York, das Künstler wie Beyonc, Christina Aguilera oder Justin Timberlake unter Vertrag hat, werde künftig unter der Bezeichnung Sony Music Entertainment Inc. firmieren.

Sony BMG vereint Plattenfirmen wie Arista, J Records und Zomba unter einem gemeinsamen Dach. Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von rund drei Milliarden Euro ein operatives Ergebnis von gut 180 Millionen Euro erwirtschaftet. Zuletzt sollen die Erträge durch striktes Kostenmanagement wieder leicht gesteigert worden sein. Das Unternehmen beschäftigt etwa 6000 Mitarbeiter. Die Übernahme der Anteile durch Sony steht unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung.

Der Ausstieg von Bertelsmann aus dem Musikgeschäft ist nicht vollkommen. Das Gütersloher Unternehmen werde die Rechte an den Aufnahmen von rund 200 vor allem europäischen Künstlern behalten und diese vermarkten. Das neue Unternehmen unter dem Markennamen BMG (Bertelsmann Music Group) werde unter der Geschäftsführung des Musikmanagers Hartwig Masuch in Berlin angesiedelt, sagte ein Konzernsprecher. Bereits 2006 hatte Bertelsmann den ertragsstarken Musikverlag BMG Music Publishing für 1,6 Milliarden Euro an den Wettbewerber Universal Music verkauft.

Der neue Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Hartmut Ostrowski hatte den Musikbereich bei seinem Amtsantritt im Dezember vergangenen Jahres als wachstumsschwach definiert und ihn zunächst einer Überprüfung unterzogen. Diese mündete nun in den Verkauf der Anteile an Sony BMG. Dagegen passe die Musik ins Portfolio des japanischen Unterhaltungsriesen. "Wir können den Verbrauchern so ein umfassendes Unterhaltungsangebot unterbreiten", sagte Sony-Chef Howard Stringer am Dienstag.

Der Vertrag zwischen Bertelsmann und Sony beinhaltet, dass die von Sony Music verkauften CDs für die nächsten sechs Jahre weiterhin zum Teil bei der Bertelsmann-Industrietochter Arvato hergestellt werden. Bei Bertelsmann wird der Wert des Anteilsverkaufs auf 1,5 Milliarden US-Dollar (rund 970 Millionen Euro) geschätzt, heißt es in Unternehmenskreisen. Dabei sollen aber auch steuerliche Effekte sowie der Wert der verlängerten Aufträge für andere Konzernbereiche mitbewertet sein.

Die Musikbranche unterliegt seit langer Zeit einem Strukturwandel. Der Verkauf von CDs verliert stetig massiv an Marktanteilen. Die Einbußen werden durch den zunehmenden Verkauf von Musik über das Internet sowie durch alternative Geschäftsmodelle nur zum Teil aufgefangen. Das vom früheren Bertelsmann-Manager Rolf Schmidt-Holtz geführte Joint Venture Sony BMG hatte nach Sony-Angaben im ersten Halbjahr 2008 erneut Umsatzrückgänge hinnehmen müssen.

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