Bertelsmann trennt sich von Elvis

- München - Um seinen enormen Schuldenberg wieder abzutragen, hat der Bertelsmann-Konzern seinen Musikverlag an den Konkurrenten Vivendi verkauft. Zugleich überweist der Medienriese aus Gütersloh Millionen an die Franzosen, um den seit Jahren schwelenden Streit um die Internet-Tauschbörse Napster beizulegen.

 Im Alltagsgeschäft laufen die Geschäfte bei Bertelsmann unterdessen gut. Der Verkauf des Verlags BMG Music Publishing sei bereits von den Aufsichtsgremien beider Unternehmen genehmigt worden, betonte Vorstandschef Gunter Thielen bei der Bekanntgabe des Geschäfts. Bertelsmann rechne noch in diesem Jahr mit dem Eingang des Verkaufserlöses von 1,6 Milliarden Euro.

Mit dem Geld will Europas größter Medienkonzern seine Verbindlichkeiten von fast neun Milliarden Euro abbauen. Die Hälfte davon war erst vor einigen Monaten entstanden, als das Unternehmen den Minderheitsaktionär GBL auszahlte, um einen teilweisen Börsengang abzuwenden. Die Music-Publishing- Tochter ist der drittgrößte Musikverlag der Welt. Das Unternehmen besitzt einen Katalog von über einer Milli-on Musikkompositionen und vertritt unter anderem Pop- Superstars wie Robbie Williams oder Elvis Presley.

Zum Bertelsmann-Umsatz trägt es allerdings nur zwei Prozent bei. Der Verlag wird künftig bei der Vivendi-Tochter Universal eingegliedert, dem Weltmarktführer im Geschäft mit Tonträgern. Allerdings müssen die Wettbewerbsbehörden in den USA und Europa der Transaktion noch zustimmen. Gut für die Konzernkasse von Bertelsmann könnte auch der Vergleich sein, den das Unternehmen mit Vivendi geschlossen hat. Universal hatte zusammen mit anderen Kon-zernen Bertelsmann wegen dessen Engagement bei der Internet-Tauschbörse Napster (siehe Kasten) auf 13 Milliarden Euro Schadenersatz für illegale Musik-Downloads verklagt.

Der Vergleich mit dem Marktführer kostet Bertelsmann nun nur 47 Millionen Euro. "Das hat große Bedeutung für uns", sagte Finanzvorstand Thomas Rabe. Derweil bleibt Bertelsmann weiter auf Wachstumskurs. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz dank der zahlreichen Akquisitionen des Vorjahres um 14,5 Prozent auf 9,1 Milliarden Euro. Der Konzerngewinn stieg um 2,7 Prozent auf 339 Millionem Euro. Den Löwenanteil lieferte erneut die Fernsehtochter RTL, die vom verbesserten Werbegeschäft in Deutschland und Frankreich profitierte.

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