Studie

Berufe mit null Prozent Arbeitslosigkeit

München - Im Jahr 2020 herrscht in Bayern Vollbeschäftigung. Das ergab eine Studie der Prognos AG. Allerdings gibt es große Unterschiede je nach Qualifikation und Fachrichtung. Manche Berufe sind ein Garant für Beschäftigung, in einigen Fachrichtungen steigt der Anteil der Arbeitslosen künftig.

Der wachsende Fachkräftemangel in Bayern hat auch etwas für sich: Die Arbeitslosigkeit sinkt. Laut einer Studie der Prognos AG, die von der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) in Auftrag gegeben wurde, herrscht in Bayern spätestens 2020 Vollbeschäftigung, in Deutschland sinkt die Zahl der Erwerbslosen 2025 unter zwei Millionen. Je nach Qualifikation und Fachrichtung gibt es allerdings große Unterschiede. Während die Arbeitslosigkeit von Hochschulabsolventen und Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung stark zurückgeht, steigt die Zahl der Arbeitslosen ohne Berufsabschluss deutlich an.

Die Berechnungen in der Studie „Arbeitslosigkeit 2035“ beziehen sich auf die Erwerbslosenquote, die etwas niedriger als die offizielle Arbeitslosenquote liegt. Der Hintergrund: Die Erwerbslosigkeit klammert Personen, die geringfügig beschäftigt sind oder keine Schritte zur Arbeitsaufnahme unternehmen, aus.

Laut Studie geht die Zahl der Erwerbslosen von derzeit etwa 2,5 Millionen auf 2,25 Millionen im Jahr 2020 zurück. Ab 2025 soll die Zahl dauerhaft unter der Zwei-Millionen-Marke liegen – und die Erwerbslosenquote bei 4,5 Prozent. Bayern prognostiziert die Studie eine Quote von 2,7 Prozent im Jahr 2020. Damit würde im Freistaat Vollbeschäftigung herrschen, von der man per Definition spricht, sobald die Quote unter drei Prozent fällt.

„Die Studie zeigt, dass es künftig genügend Arbeit geben wird. Arbeitnehmer ohne abgeschlossene Berufsausbildung werden es aber immer schwerer haben“, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Der Rückgang der Erwerbslosigkeit vollzieht sich unterschiedlich je nach Qualifikation – aber auch Fachrichtung. „Wir wollen aufzeigen, in welchen Berufen die Chancen besonders gut sind“, so Brossardt.

Unter den Hochschulabsolventen wird die Erwerbslosigkeit laut Prognose bis 2035 gegen null tendieren – mit einer Ausnahme. Bei den Sprach- und Kulturwissenschaften sei auch langfristig noch von Erwerbslosigkeit auszugehen. Von sieben Prozent steigt der Anteil bis 2020 auf 9,6 Prozent an. Erst danach sinkt die Quote (siehe Tabelle). In den Bereichen Naturwissenschaft, Mathematik oder Medizin liegt die Erwerbslosenquote dagegen bis 2035 bei Null. Hier herrscht zum Teil jetzt schon Fachkräftemangel.

Auch bei Personen mit Berufsausbildung sinkt die Erwerbslosenquote von 5,5 Prozent auf 4,6 Prozent im Jahr 2020 und auf 1,6 Prozent 2035. Besonders niedrig sind die Quoten in den Bereichen Medizin und Pflege, Mathematik und Naturwissenschaften. In den Bereichen Pflanzenbau, Tierzucht, Ernährung und Gastgewerbe wird dagegen die Erwerbslosenquote langfristig zwischen sieben und acht Prozent liegen.

Wer keinen beruflichen Abschluss aufweisen kann, ist in Zukunft noch stärker von Arbeitslosigkeit bedroht als bisher: Hier steigt die Erwerbslosenquote laut Prognose von 11,4 auf 11,9 Prozent im Jahr 2020 und auf 17 Prozent 2035.

Die sinkende Arbeitslosigkeit hat einen massiven Fachkräftemangel zur Folge. Laut vbw werden in Deutschland bis 2035 rund vier Millionen Fachkräfte fehlen. Der Arbeitgeberverband fordert deshalb die Zahl der Studierenden zu erhöhen, eine Bildungsoffensive zu starten und Zuwanderung gezielt zu gestalten.

von Manuela Dollinger

Rubriklistenbild: © dpa

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