Berufsunfähigkeit: Schutz bei vielen Gesellschaften beantragen

- Wer sich als Profimusiker gegen Berufsunfähigkeit absichern möchte, muss viel Glück haben. Angehörigen vieler Berufe ist der Weg zu einer solchen Police oft versperrt. Viele Versicherer lehnen auch Menschen mit Vorerkrankungen ab. Dabei sehen Experten diesen Schutz als unerlässlich an. Denn Arbeitnehmer, die nach 1960 geboren wurden, erhalten keine gesetzliche Berufsunfähigkeitsrente mehr.

<P>Diese wurde 2001 von der Erwerbsminderungsrente abgelöst. Alle Menschen, die noch mehr als sechs Stunden arbeiten können, bekommen nach der neuen Regelung nichts. Selbst wenn eine Rente gezahlt wird, ist diese gering: Im vergangenen Jahr betrug sie im Schnitt bei Männern in den alten Bundesländern 716 Euro, bei Frauen 585 Euro. Das kann jeden treffen: Immerhin 14 % der Arbeitnehmer schieden 2002 aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig aus dem Berufsleben aus.</P><P>Private Vorsorge ist also wichtig. Doch die privaten Versicherer sind nicht verpflichtet, einen Interessenten anzunehmen. Sie suchen nach Kunden, bei denen sie das Risiko einer Berufsunfähigkeit für niedrig halten. "Wer nicht kerngesund ist, hat es schwer", erläutert Hermann-Josef Tenhagen von "Finanztest". Dabei reichen Leiden wie Schilddrüsenüberfunktion, Epilepsie oder Angststörungen aus, um eine Absage zu bekommen.</P><P>Oder der Schutz wird reduziert. "Wer an Neurodermitis, Schuppenflechte, Bluthochdruck, Heuschnupfen oder Akne leidet, kann häufig nur einen Vertrag bekommen, der eine spätere Berufsunfähigkeitsrente wegen dieser Erkrankungen ausschließt", sagt Tenhagen. Schwer haben es Angehörige bestimmter Berufsgruppen: Bauarbeiter, Möbelpacker, Journalisten, Künstler oder Feuerwehrleute gelten als Menschen mit hohem Risiko.</P><P>Stephan Gelhausen, Sprecher des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, verteidigt die Haltung der Branche: "Die Versicherungsbedingungen sind immer verbraucherfreundlicher geworden. Das heißt für die Unternehmen, dass sie das individuelle Risiko abschätzen müssen, damit sie nicht zu früh in die Leistungspflicht geraten."</P><P>"Bei Musikern etwa ist die Berufsunfähigkeit etwa schon dann gegeben, wenn sie nicht mehr kreativ sein können", erläutert Gelhausen. Dieses Risiko sei praktisch nicht zu versichern. </P><P>Frank Braun, Geschäftsführer des Bundes der Versicherten, rät, sich möglichst frühzeitig um den Versicherungsschutz zu kümmern: "Spätestens mit Ende des Studiums oder der Ausbildung sollte man eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen." Das habe den Vorteil, dass junge Menschen leichter an einen Vertrag kommen, da sie meist gesund sind. "Außerdem richtet sich die Prämie oft nach dem Alter. Bei jungen Menschen ist die Versicherung also günstiger als bei älteren."</P><P>Dabei ist es ratsam, mehrere Anträge gleichzeitig zu stellen. Denn bei der Antragsstellung fragen die Versicherungen meist, ob bereits bei anderen Gesellschaften Anträge abgelehnt wurden. "Wer diese Fragen bejahen muss, hat von vornherein schlechte Karten", sagt Braun. An diesen Probeantrag ist nur die Versicherung, nicht jedoch der Interessent gebunden.</P><P>Oft versuchen Versicherer, bestimmte Vorerkrankungen auszuschließen. "Da wird wegen eines Bandscheibenvorfalls der gesamte Rücken vom Versicherungsschutz ausgeschlossen", sagt Braun. "In diesem Fall sollte man versuchen, stattdessen einen Risikozuschlag auf den Beitrag auszuhandeln oder zumindest diesen Ausschluss zeitlich einzugrenzen", empfiehlt Beate-Kathrin Bextermöller von der Stiftung Warentest.</P><P>Erhält man trotz mehrmaliger Versuche keinen Schutz gegen Berufsunfähigkeit, bleibt die Möglichkeit, eine Unfallversicherung abzuschließen. Hier sind die Kontrollen nicht so streng, dafür springt diese Versicherung aber auch nur bei einem Unfall, nicht bei Krankheit ein. Zunächst sollte man daher versuchen, eine Berufsunfähigkeitsversicherung zu bekommen, notfalls auch mit Prämienaufschlag, rät Beate-Kathrin Bextermöller. <BR></P>

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