Beschäftigte bei Giesecke & Devrient sollen länger ran

40-Stunden-Woche: - München - Der Münchner Technologie-Konzern Giesecke & Devrient verlangt seinen 3500 Mitarbeitern in Deutschland trotz aufblühender Geschäfte eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 40 Stunden ab. Das Unternehmen habe mit den Arbeitnehmervertretern entsprechende Verhandlungen aufgenommen, erklärte Geschäftsführer Karsten Ottenberg bei der Vorlage des Geschäftsberichts für das Jahr 2006. "Wir wollen unsere Ressourcen besser ausnützen." Ein Lohnausgleich ist nicht vorgesehen: Die Gehälter sollen nach den Worten Ottenbergs unverändert bleiben.

Mit der unbezahlten Mehrarbeit will die Gelddruck- und Chipkartenfirma ihr vor zwei Jahren gestartetes Effizienzprogramm fortführen, um profitabler zu werden. Im Zuge dessen sind bereits die Kosten in der Verwaltung und der Produktion deutlich gesenkt worden.

So zog im vergangenen Jahr die Chipkartenproduktion mit 160 Arbeitsplätzen gegen den erbitterten Widerstand der Belegschaft vom Tegernsee in die Slowakei um. Ob das Management nun auch die 40-Stunden-Woche durchboxen kann, ist aber fraglich: "Es gibt keinerlei Bereitschaft in der Belegschaft, länger zu arbeiten", heißt es bei der Gewerkschaft Verdi mit Verweis auf die steigenden Erträge.

Giesecke & Devrient hat 2006 vor allem dank der weltweit wachsenden Nachfrage nach Banknoten mit 1,3 Milliarden Euro (+ 5 Prozent) den höchsten Umsatz der Firmengeschichte eingefahren. Zugleich kletterte das Ergebnis vor Zinsen und Steuern um über 15 Prozent auf 93 Millionen Euro. Ottenberg kündigte an, dass Erlöse und Ergebnis im laufenden Geschäftsjahr weiter zulegen werden. "Wir sind nach erfolgreicher Umorganisation und Restrukturierung erfolgreich in eine weitere Phase profitabeln Wachstums gestartet", sagte der Chef der Gesellschaft, die nach wie vor nicht an die Börse strebt.

Der Manager setzt dabei aber nicht nur auf strikte Kostenkontrolle, sondern auch auf Investitionen. Nachdem das Unternehmen schon 2006 in München mehrere neue Stellen geschaffen hatte, sollen 2007 weitere 100 Jobs vor allem im Bereich Forschung und Entwicklung dazukommen. Gleichzeitig meldet Giesecke & Devrient Interesse an der Bundesdruckerei an, die in diesem Jahr den Eigentümer wechseln soll. Ottenberg: "Unsere finanzielle Stabilität und hohe Ertragskraft geben uns den nötigen Handlungsspielraum für eine solche Transaktion."

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