Beschäftigungspakt bei Audi sichert 45 000 Arbeitsplätze

- Ingolstadt - Der Autobauer Audi, IG Metall und Betriebsrat haben ein Kompromisspaket zur Sicherung aller rund 45 000 inländischen Arbeitsplätze bis 2011 geschnürt. Bis dahin verzichte die VW-Tochter auf betriebsbedingte Kündigungen, gab Personalvorstand Horst Neumann in Ingolstadt bekannt. "Das ist ein klares Bekenntnis zum Standort Deutschland", sagte er. Im Gegenzug müssten Teile der Belegschaft zwei Stunden pro Woche länger arbeiten und sich Überstunden vermehrt in Freizeit abgelten lassen.

<P>Ab 2006 zahle Audi neuen Mitarbeitern zudem 2,79 Prozent weniger Lohn. Die Gewerkschaft nannte die Vereinbarung indessen zukunftsweisend. "Damit haben die Menschen an Donau und Sulm eine gesicherte Zukunft", sagte der baden-württembergische IG-Metall-Chef Jörg Hofmann mit Blick auf die beiden Audi-Werke in Ingolstadt und Neckarsulm. Alle bisherigen Modellreihen und Derivate würden dort weiter gebaut. Auch Audi-Gesamtbetriebsratschef Xaver Meier feierte die Auslastungsgarantie für beide Standorte. <BR><BR>Hintergrund der Vereinbarung sind Tendenzen in weiten Teilen der heimischen Automobilindustrie zur Kostensenkung oder Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Dazu haben beispielsweise Daimler-Chrysler und die Audi-Mutter Volkswagen schon mit ihren Belegschaften zu Regelungen gefunden. Bei VW, wo jeder Mitarbeiter traditionell ein Fünftel mehr Lohn erhält als ein bei Audi Beschäftigter, wurde vergangenen November ein eine Milliarde Euro umfassendes Sparpaket vereinbart, das für 28 Monate einen Verzicht auf Lohnerhöhung vorsieht.<BR><BR>Auch bei Audi komme es nun zu einer "deutlichen Kostenentlastung", sagte Neumann, ohne sie aber zu beziffern. Angepeilt waren angeblich 80 Millionen Euro.<BR>Zwischen den Fabriken Ingolstadt und Neckarsulm wird nun eine Produktionsdrehscheibe eingerichtet, die den wechselseitigen Bau dortiger Modelle erlaubt, um die Standorte gleichmäßiger auslasten zu können. Wer bei Audi in der Betriebskantine arbeitet oder mit anderen Dienstleistungsaufgaben betraut ist, muss bis 2006 stufenweise 37 statt bisher 35 Stunden wöchentlich in den Betrieb. Das betrifft nach Angaben der IG Metall rund 1000 Mitarbeiter. Deren Ausgliederung in eine eigene Gesellschaft sei aber vom Tisch, betonte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer. Damit unterliege auch dieser Kreis der Beschäftigungsgarantie.<BR><BR>Audi wertet dagegen die Flexibilisierung der Arbeitszeit über Zeitkonten als Erfolg. Von der ab 2006 geltenden Lohnsenkung für neue Mitarbeiter sind die heutigen Beschäftigten indessen ausgenommen. Die Belegschaft werde vielmehr mit einem Zehntel an jedem Gewinnzuwachs beteiligt, der über den 1,2 Milliarden operativer Erträge des Vorjahres liegt, teilte die Gewerkschaft mit. Bei Ausbildungsplätzen will Audi bis mindestens 2008 das jetzige Niveau beibehalten. Audi sei eines der wenigen Unternehmen, das der absehbaren Überalterung der Belegschaft die nötige Aufmerksamkeit schenkt, würdigte der Gewerkschafter Hofmann. Alle Beschlüsse seien ohne Eingriffe in den Flächentarifvertrag möglich gewesen, ergänzte sein Kollege Neugebauer. <BR><BR>Unter dem Strich kommen die Audi-Mitarbeiter damit weit glimpflicher davon als ihre Kollegen bei VW, hieß es im Konzern. Das sei nicht verwunderlich, weil die Ingolstädter als Ertragsperle gelten und zuletzt nach einem Rekordjahr 2004 mehr als die Hälfte aller Profite in den VW-Konzern gebracht haben.<BR><BR></P>

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