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Unerlaubte Telefonwerbung ärgert zunehmend mehr Verbraucher. Foto: Julian Stratenschulte

Aufsichtsbehöre

Beschwerden über unerlaubte Telefonwerbung nehmen zu

Berlin - Über unerlaubte Telefonwerbung haben sich seit Januar schon fast so viele Verbraucher bei der Bundesnetzagentur beschwert wie im gesamten Vorjahr.

Insgesamt gingen bei der Aufsichtsbehöre im ersten Halbjahr 26 080 Beschwerden ein, wie die "Rheinische Post" unter Verweis auf ein Antwortschreiben der Bundesregierung an die Grünen-Fraktion berichtet. Im Jahr 2017 waren 29 298 Verbraucherbeschweren registriert worden, und schon davor hatte es einen Zuwachs gegeben.

Generell darf niemand zu Werbezwecken angerufen werden, ohne dass er vorher ausdrücklich zugestimmt hat - diese Zustimmung darf auch nicht zu Beginn des Telefonats nachträglich eingeholt werden. Außerdem dürfen Werbetreibende ihre Rufnummer nicht unterdrücken oder eine falsche Nummer einblenden. Proteste gibt es dennoch immer wieder - auch wegen des hartnäckigen und aggressiven Tons mancher Anrufer. Beklagt wird zudem der Einsatz von Wahlmaschinen, die immer wieder denselben Verbraucher anrufen.

Die Bundesnetzagentur würde gerne eine Dokumentationspflicht für Call Center einführen, was der Branchenverband DDV aber ablehnt. Er verweist auf einen freiwilligen Branchenkodex, der etwa die Zahl der Anrufe pro Kampagne und "Zielperson" auf 15 pro Woche begrenzt. Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg haben Bundesratsinitiativen gestartet, um eine Überrumpelung von Verbrauchern am Telefon zu verhindern: Telefonisch abgeschlossene Kaufverträge sollen demnach nur gelten, wenn sie nach dem Gespräch schriftlich bestätigt werden.

Welche Telefonwerbung ist erlaubt und welche nicht?

Telefonwerbung ist seit 2009 nur bei ausdrücklicher Einwilligung des Verbrauchers erlaubt. Diese muss vor dem Anruf vorliegen und kann nicht erst zu Gesprächsbeginn eingeholt werden. Ein Trick ist, dass sich die Anrufer auf eine angebliche Einwilligung berufen, die der Verbraucher etwa bei der Teilnahme an einem Online-Gewinnspiel abgegeben habe. Bei Werbeanrufen darf zudem die Rufnummer nicht unterdrückt werden, damit sie leichter zurückverfolgt werden können. Verstoßen Firmen gegen diese Regeln, drohen Bußgelder. Die Höchstgrenze liegt seit 2013 bei 300.000 Euro. Geldbußen können auch für unerlaubte Werbeanrufe von Telefoncomputern verhängt werden.

Wie kann ich mich vor Werbeanrufen schützen?

Gegen die Anrufe selbst gibt es kein Mittel, wenn die eigene Rufnummer in Umlauf ist. Verbraucher sollten sich deshalb überlegen, ob sie ihre Telefonnummer in ein öffentliches Telefonbuch eintragen lassen und an wen sie ihre Nummer weitergeben. Telefonkunden können zudem bei ihrem Anbieter beantragen, dass Anrufe mit unterdrückter Nummer nicht durchgestellt werden. Davon können dann aber auch erwünschte Anrufe betroffen sein.

Was kann ich bei einem unerwünschten Anruf tun?

Eine Möglichkeit: auflegen. Wer das Gespräch nicht abbricht, sollte den Anrufer offensiv zur Rede stellen. Betroffene sollten den Namen des Anrufers und seiner Firma sowie den Grund des Anrufs erfragen, die Telefonnummer aufschreiben und diese Angaben dann an die zuständige Verbraucherzentrale oder die Bundesnetzagentur weiterleiten. Zudem sollte der Angerufene darauf hinweisen, dass weitere Anrufe unerwünscht sind, und die Löschung seiner Daten verlangen.

Welche Unternehmen betreiben Telefonwerbung?

Verbraucherschützern zufolge rufen Telefon- und Internetdienstleister, Energieversorger, Banken, Versicherungen und Zeitschriftenverlage gezielt Verbraucher ohne deren ausdrückliche Zustimmung an, um Produkte oder Dienstleistungen zu verkaufen. Auch Glücksspiel-Abos sollen Verbrauchern am Telefon untergejubelt werden.

Welches Risiko besteht bei Werbeanrufen?

Mit Telefonwerbung werden Verbraucher regelrecht überrumpelt. Oft bleibt kaum Zeit zu überlegen, ob der Kauf eines Produkts oder der Vertrag über eine Dienstleistung sinnvoll und der Preis angemessen ist. Die Pflicht zu einer nachträglichen schriftlichen Bestätigung durch die Verbraucher gibt es nur für Gewinnspiele.

Was kann ich tun, wenn ich am Telefon einen Vertrag abgeschlossen habe?

In der Regel besteht ein Widerrufsrecht. Verbraucherschützer raten, innerhalb von 14 Tagen den Vertrag per E-Mail, Fax oder Brief zu widerrufen. Die Verbraucherzentralen stellen im Internet auch Musterbriefe zur Verfügung, um unberechtigte Forderungen abzuwehren.

afp/dpa

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