Das bessere Deutschland

- München - Schneller und effizienter sollte es gehen, um die hohen Kosten zu drücken. Im Jahr 2003 entschied sich die Führung des Luxusmoden-Konzerns Escada deswegen dazu, das Logistik-Zentrum in Poing mit seinen 150 Stellen ins günstigere Ausland zu verlagern. Aber nicht die üblichen Verdächtigen wie Tschechien oder Polen machten das Standort-Rennen: Der Betrieb lief vergangenen September in Reichersberg, Oberösterreich, an. "Die Menschen sind dort beweglicher", begründet Escada-Chef Wolfgang Ley die Entscheidung.

<P>Niedrigere Löhne, mehr Produktivität<BR><BR>Solche Aussagen hört René Siegel gerne. Der Österreicher leitet die staatliche Austrian Business Agency (ABA) in Wien, die im Regierungs-Auftrag Unternehmen aus der ganzen Welt in die Alpenrepublik locken soll. Besonders im Fokus stehen deutsche Firmen, denn, so ist Siegel überzeugt: Österreich ist das bessere Deutschland. "Es gibt hier dieselben Vorteile, allerdings ohne die deutschen Nachteile", sagt er. Was gemeint ist, lässt sich in einer Studie nachlesen, die das "Manager Magazin" kürzlich veröffentlicht hat und die ein ähnliches Fazit zieht. In Österreich seien die Löhne niedriger und dafür die Jahresarbeitszeit und Produktivität höher, heißt es.<BR><BR>Im vergangenen Jahr überzeugten die ABA-Mitarbeiter mit diesen Argumenten 47 deutsche Unternehmen, die Niederlassungen in Österreich eröffneten. Davon kam ein Drittel aus Bayern. Gleichzeitig bauten einige der 5000 deutschen Firmen, die bereits vor Ort sind, ihre Aktivitäten aus. BMW etwa investierte in sein Motorenwerk in Steyr, Infineon in die Chipfabrik in Villach. Und Siegel ist sich sicher, dass Austria auch heuer wieder deutsches Kapital anzieht. "Es sieht so gut aus wie lange nicht", freut er sich. Die ABA verhandle derzeit mit 153 gründungswilligen Unternehmen - wesentlich mehr als in den Vorjahren.<BR><BR>Er führt diesen Boom auf die seit 1. Januar 2005 gültige Senkung der Körperschaftssteuer zurück. Die Regierung Schüssel strich den Satz von 34 auf 25 Prozent und reagiert damit auf den von seinen Nachbarländern Tschechien (26 Prozent), Slowenien (25 Prozent), Slowakei (19 Prozent) und Ungarn (16 Prozent) angezettelten Senkungswettbewerb. "Wir können nun auch im Vergleich zu den beigetretenen Ländern punkten", heißt es bei der ABA. Deutschland eher nicht: Die maximale Belastung von Kapitalgesellschaften liegt im Schnitt bei 38 Prozent.<BR><BR>IHK sieht Freistaat dennoch gut dastehen<BR><BR>In Bayern glaubt man dennoch nicht, dass man im Standortwettbewerb mit dem kleinen Nachbarn hinterher hinkt. "Multinationale Unternehmen, die nach Europa wollen, kommen zu uns und nicht nach Österreich", sagt Manfred Gößl von der Industrie- und Handelskammer in München. Er verweist dabei auf die gute Infrastruktur, die gut qualifizierten Mitarbeiter und die zahlreichen Forschungseinrichtungen. Wenn hingegen deutsche Unternehmen nach Österreich gehen würden, täten sie das nicht, weil die Bedingungen so schlecht seien, sondern weil sie den Markt erschließen wollen. Die finanzielle Belastung sei nicht viel niedriger. Der Europa-Fachmann verweist zudem darauf, dass auch zahlreiche österreichische Firmen in Deutschland aktiv sind.<BR><BR>Nach Schätzungen der österreichischen Handelsdelegation in München sind es rund 500 - bei steigender Tendenz. "In den vergangenen Jahren ist der Zuzug deutlich gewachsen", sagt deren Chef Michael Love. Nach seiner Einschätzung halten sich die Standortqualitäten beider Länder in etwa die Waage. "Man neckt sich halt", sagt er, wenn die Diskussion darüber mal wieder aus dem Ruder läuft.</P>

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