Bestnote beim Rating: Bayern hat gute Karten im Kredit-Monopoly

- München - Es ist ein bisschen wie bei Monopoly. Wer in der Schlossallee residiert, bekommt die besten Kredite. Wer nur die Badstraße besitzt, darf von der Bank keine Wunder erwarten. Bayern darf sich wie Schlossallee fühlen. Die wichtigste Rating-Agentur hat dem Freistaat die Bestnote in Punkto Zuverlässigkeit bestätigt. Alles andere wäre auch ziemlich teuer geworden.

<P>"AAA", dieses Urteil präsentieren die Experten von Standard & Poor's heute - termingerecht vor der Wahl - dem Kabinett. Dem Staats-Etat bringt das niedrige Kapitalkosten, "AAA" ist die geringste Risikoklasse. Nimmt der Freistaat Schulden auf, gibt es dafür günstigere Zinsen. "Ein beachtliches Zeugnis für Bayern und für unsere Politik", sagt Ministerpräsident Edmund Stoiber - rücken Sie vor bis auf Los.<BR><BR>Beispiel Länderanleihen: 3,12 % werden für die Zehnjährige (bis 2005) effektiv fällig, wenn der Schuldner Bayern heißt. Bei vergleichbaren Anleihen aus Hessen, Rheinland-Pfalz oder Sachsen-Anhalt ist es oft ein halber Prozentpunkt mehr. Nur der Bund kommt günstiger weg - dass Deutschland restlos Pleite geht, ist unwahrscheinlich.<BR><BR>Schwache Bonitätsnoten kommen die Länder teuer. Immerhin sind sie mit ausstehenden Titeln im Wert von über 130 Milliarden große Emittenten bei Euro-Anleihen. Heuer sollen noch über 20 Milliarden dazu kommen. Groß ist das Wehklagen in Hessen, weil S&P das Bundesland abstufte: nur "AA+" ist übrig geblieben - in Monopoly-Dimensionen ausgedrückt von der Schlossallee mindestens zurück zur Berliner Straße. Nordrhein-Westfalen plumpste gar auf "AA" - bestenfalls Seestraße.<BR><BR>Das bayerische Finanzministerium hat gestern bis spät abends die Kabinettsvorlage errechnet. Der Zinsvorteil Bayerns gegenüber den anderen Ländern (dank niedrigerer Schulden und besseren Ratings) bringt demnach 1,7 Milliarden Euro Investitionsspielraum. Vier Prozent seiner Steuereinnahmen muss Kassenwart Kurt Faltlhauser in die Zinslast stecken (NRW: elf). Insgesamt zahlt Bayern derzeit 1,13 Milliarden Euro.<BR><BR>Das Eigenkapital ist durch die Privatisierungswelle der 90er-Jahre geschrumpft, die Landespolitik stimmt sich auf enthaltsame Jahre ein, mit der November-Schätzung drohen neue Steuerausfälle - trotzdem hat S&P zur Bestnote die Aussicht "stabil" vergeben. Stoiber führt das auf den strikten Sparkurs zurück, mit dem er sich zwar wenig beliebt gemacht habe, aber die Neuverschuldung deckelte.<BR><BR>Rückendeckung gibt es von S&P-Analyst Alois Strasser: "Die Verschuldung ist mit 69 % der laufenden Einnahmen im internationalen Vergleich moderat und gegenüber anderen Bundesländern niedrig", sagte er unserer Zeitung: "Wir gehen von ähnlichen Ergebnissen für 2003 aus." Bayern habe ein "starkes Haushaltsergebnis mit einem Überschuss von 4,9 % der laufenden Einnahmen". Trotz der alljährlichen Ereigniskarte "Zahle vier Milliarden Euro in den Finanzausgleich."<BR></P>

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