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Eine On-Board-Unit der Firma Toll Collect, eingebaut in einem Lkw. Die Maut kommt. Foto: Franziska Kraufmann

Wer kriegt den Zuschlag?

Betreiberfirmen warten auf Ausschreibung für Pkw-Maut

Berlin - Die Pkw-Maut soll kommen, so hat es der Bundestag beschlossen. Doch wer übernimmt den Betrieb des Systems und organisiert den Verkauf? Spezialisierte Unternehmen sind gespannt auf die Ausschreibung.

Für die Suche nach einem Betreiber des Pkw-Mautsystems deutet sich grundsätzliches Interesse auch internationaler Anbieter an. Die Firmen warten aber auf die genauen Bedingungen.

"Über eine mögliche Bewerbung für den Betrieb des Pkw-Mautsystems können wir erst entscheiden, nachdem wir die Details der Ausschreibung kennen", erklärte der Lkw-Mautbetreiber Toll Collect der Deutschen Presse-Agentur. Der Mautdienstleister Ages hält eine Beteiligung für möglich. Ohne die Ausschreibung gelesen zu haben, sei dies aber nicht abschließend zu entscheiden, sagte Geschäftsführer Rolf Herzog.

Jährlich 160 Millionen Euro Vergütung

Die Erhebung der Pkw-Maut soll ein privater Betreiber übernehmen und jährlich 160 Millionen Euro Vergütung bekommen. Der Auftrag soll laut Bundesverkehrsministerium zügig europaweit ausgeschrieben werden. Er umfasst auch, Mautbescheide für inländische Autobesitzer zu versenden und ein Maut-Vertriebssystem für Fahrer aus dem Ausland aufzubauen und zu betreiben. Sie können neben einer Jahresmaut Kurzzeittarife für zehn Tage oder zwei Monate kaufen - per Internet, aber wohl auch an Tankstellen an den Autobahnen. Die Maut soll 2016 starten.

Der Betreiber des Mautsystems in Italien, Autostrade per l'Italia, äußerte sich "sehr interessiert an dem deutschen Projekt". Eine Sprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur, man habe bereits in verschiedenen Situationen das gesamte technologische Portfolio erprobt, das zum Einsatz kommen könnte. Der Mautanbieter Kapsch ITS Solutions aus Österreich traf noch keine feste Aussage. Generell sei man interessiert und könne die geforderte Technologie liefern, sagte eine Sprecherin. Es komme auf die Ausschreibungsdetails an.

Siemens hat bereits Maut-Erfahrung

Auch Siemens hat Maut-Erfahrung. In den neunziger Jahren erhielt der Konzern Aufträge aus Norwegen und stattete die Brenner-Autobahn in Österreich mit einem Mautsystem aus. In London kam Siemens zum Zug, als die Stadt 2008 eine City-Maut einführte. Dass der Konzern auch bei der Ausschreibung für die Pkw-Maut mitmacht, wäre daher naheliegend. Äußern wollte sich das Unternehmen nicht.

Für die französische Vinci-Gruppe, deren Tochter Cofiroute an Toll Collect beteiligt ist, sagte eine Sprecherin, es sei "noch zu früh, um zu erklären, wie Vinci sein Know-how am effizientesten anbieten wird". Toll Collect unterstrich seine grundsätzliche Kompetenz in Sachen Maut und verwies darauf, dass das Unternehmen seit 2005 mehr als 40 Milliarden Euro Lkw-Maut für den Bund eingenommen habe.

In der Schweiz wird die Autobahnvignette von der Eidgenössischen Zollverwaltung herausgegeben. Der Zoll ist auch für den Vertrieb an den Grenzen und im Ausland zuständig. Die Zollverwaltung plant nicht, sich an der Ausschreibung in Deutschland zu beteiligen.

dpa

Gesetzentwurf zur Maut-Einführung

Gesetzentwurf zur Reduzierung der Kfz-Steuer

Bundesverkehrsministerium zu beschlossenem Maut-Gesetz

Koalitionsvertrag, Maut PDF S. 31

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