Betriebe müssen auch in der Flaute Weihnachtsgeld nach Tarif zahlen

- München - Das Weihnachtsgeld wird gekürzt - keine frohe Botschaft für Beschäftigte, Verbraucher und Händler in der Adventszeit. Doch nur die freiwillig gezahlten Leistungen können Unternehmen kürzen. Denn in vielen Branchen ist diese Extra-Zahlung tariflich vereinbart und somit bindend.

<P>In einigen Wirtschaftszweigen können die Unternehmen aber von diesen Tarifvereinbarungen abweichen, berichtete das Institut der deutschen Wirtschaft in Köln (IW). Werden damit Arbeitsplätze gesichert, haben die Mitarbeiter oft auch Verständnis für die Einschnitte. Angesichts der Wirtschaftsflaute hatten schon im Herbst viele Unternehmen angekündigt, dass die vorweihnachtliche Jahressonderzahlung heuer nicht so hoch ausfallen wird wie noch im letzten Jahr. So wollten von 225 Aktiengesellschaften mehr als die Hälfte das Weihnachtsgeld kürzen, ergab eine Umfrage des "Handelsblatt".</P><P>Betroffen ist davon aber zumeist nur der Teil des Extra-Bonus, den die Firmen freiwillig gewähren. Denn in vielen tarifgebundenen Unternehmen ist den Arbeitnehmern eine bestimmte Jahresgratifikation garantiert.</P><P>So versüßen Banken, das Reisebürogewerbe und die Süßwarenindustrie ihren Beschäftigten das Fest mit einem vollen 13. Monatsgehalt; und zwar sowohl in West- wie in Ostdeutschland.</P><P>Nicht ganz so viel gibt es im Druckgewerbe und in der Chemischen und Keramischen Industrie. Allerdings fällt in der Chemiebranche wie in vielen anderen Branchen auch die Bescherung für die Beschäftigten in Ostdeutschland deutlich geringer aus.</P><P>Beschäftigte der Metall- und Elektro-Industrie müssen sich mit 55 Prozent im Westen und 50 Prozent im Osten bescheiden - sie erhalten zudem ein Urlaubsgeld in gleicher Höhe. Gering fällt das Weihnachtsgeld mit 50 beziehungsweise 40 Prozent im Gastgewerbe aus. Am krassesten ist der Unterschied zwischen Ost und West im Bauhauptgewerbe: Während Bauarbeiter von Flensburg bis Garmisch-Partenkirchen als tarifliche Jahressonderzahlung 55 Prozent eines Monatseinkommens erhalten, gibt es für ihre Kollegen zwischen Stralsund und Zittau nichts. Doch auch etliche westdeutsche Bauarbeiter können heuer weniger für Weihnachtseinkäufe ausgeben. Denn im Oktober beschlossen Gewerkschaften und Arbeitgeber im Baugewerbe, dass die Firmen ab 2003 die Jahressonderzahlung auf 780 Euro beschränken dürfen, wenn der Betriebsrat zustimmt. Einem Baumaschinenführer müsste ein krisengeschütteltes Unternehmen dann fast 600 Euro weniger zahlen, teilte das IW mit.</P><P>In der Chemischen Industrie sehen die Tarifverträge schon seit 2002 vor, dass die Extra-Gabe mit dem Unternehmenserfolg schwanken kann. In diesem Jahr folgten das private Bankgewerbe, die Kunststoff verarbeitende Industrie und die Brauereien. So zahlen die Banken in diesem Jahr je nach Ertragslage zwischen 94 und 112 Prozent eines Monatsgehaltes.</P><P>Die Beschäftigten sind durchaus bereit, den Gürtel in der Krise enger zu schnallen. Mehr als zwei Drittel der befragten Arbeitnehmer erklärten sich bereit, auf Weihnachtsgeld zu verzichten, wenn sie damit Arbeitsplätze im eigenen Betrieb retten, so das Ergebnis einer Forsa-Umfrage.</P>

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