Betriebsrat schlägt Alarm: Deutsche Manager bei Eurocopter kaltgestellt

- München - Ein europäisches Vorzeigeunternehmen: Eurocopter hat geschafft, was andere Sparten der EADS gern möchten. Das Unternehmen ist Weltmarktführer. Selbst staatliche Auftraggeber in den USA kommen am französisch-deutschen Hubschrauberbauer nicht vorbei. Doch hinter den Kulissen gärt es. Denn Eurocopter ist auch ein Beispiel, wie in internationalen Konzernen deutsche Interessen unter die Räder kommen.

Bereits 1992 warfen die französische Aerospatiale und die deutsche Dasa ihre Hubschrauber-Abteilungen zusammen. Ein französisches Übergewicht wurde festgeschrieben. 70 Prozent sollten die Franzosen bekommen, 30 die Deutschen. Das entsprach der Bedeutung der Unternehmen. Auch bei der Zusammenarbeit wurden Grenzen vereinbart: Beide Seiten sollten die Systemfähigkeit behalten, alles, was man braucht, um eigenständig Hubschrauber zu entwickeln und zu bauen.

Das deutsch-französische Baby gedieh prächtig. Und der deutsche Anteil wuchs besonders gut: Beim Umsatz stieg der Teil von Eurocopter Deutschland (ECD) von 17 auf 33 Prozent. Statt 24 Prozent gehören nun 37 Prozent der Mitarbeiter zu ECD.

Nur auf der Führungsebene bietet sich ein anderes Bild: In der Geschäftsführung waren 2002 sieben Franzosen und drei Deutsche. 2004 wurden vier neue Posten geschaffen und mit Franzosen besetzt. Das neue Verhältnis: zehn zu drei. Ein besonders krasses Beispiel nennt der stellvertretende ECD-Betriebsratschef Karl Wölfl: Die Abteilung Einkauf wurde von einem Deutschen geleitet und war unterhalb der Geschäftsführungsebene angesiedelt. Mit dem neuen französischen Chef wurde die Position gleich mit dem Aufstieg ins oberste Führungsgremium geadelt.

Der Betriebsrat sieht dahinter eine gezielte Politik der schleichenden Machtübernahme: Die "deutschen Mitarbeiter, die sich der französischen Vorherrschaft widersetzten, wurden ohne Rücksicht kaltgestellt", kritisiert er. Eine strategisch wichtige Entwicklungsabteilung wurde nach Frankreich verlagert.

Die allmähliche Gewichtsverlagerung auch in einzelnen Abteilungen läuft nach einem sichtbaren Muster ab. Es gibt einzelne Bereiche, in denen eine deutsche und andere, in denen eine französische Führung vereinbart wurde. Wo die Deutschen das Sagen haben, arbeiten Vertreter beider Länder zusammen, wo Franzosen die "Lead-Funktion" besetzen, werden deutsche Führungskräfte schrittweise abgelöst, sagt Betriebsrat Wölfl.

Im Hintergrund stehen bessere Seilschaften. Führungskräfte aus Frankreich kommen fast geschlossen aus wenigen Eliteschulen. Da deren Absolventen auch die Spitzenpositionen der Regierung besetzen, klappt das Zusammenspiel. Beispiele wie die politisch flankierte Übernahme von Aventis durch die französische Sanofi oder der von Frankreich verhinderte Kauf der französischen Alstom durch Siemens nimmt der CSU-Bundestagabgeordnete Johannes Singhammer zum Anlass, eine Neuorientierung der deutschen Industriepolitik zu fordern. Der Erhalt technologischer Kompetenz müsse stärker beachtet werden, "um die politische Souveränität und die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit zu erhalten". Singhammer führt zahlreiche Beispiele auf, in denen die Bundesregierung auf offensichtliche französische Interessenpolitik nur beschwichtigte.

Allerdings heißt es in der Branche, dass die industriepolitische Leisetreterei keine rot-grüne Erfindung ist, sondern weiter zurückreicht. So gab Deutschland einen fast uneinholbaren Vorsprung bei der Zukunftstechnologie Hyperschall unter Helmut Kohls Forschungsminister Jürgen Rüttgers auf. Die Programme wurden eingestampft. Doch das ging weiter: Um die Jahrtausendwende ist, wie ECD-Betriebsrat Karl Wölfl einschätzt, die Systemfähigkeit von Eurocopter Deutschland verloren gegangen. Damit bleibt technologisch nur ein Platz am Katzentisch.

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