Betriebsrat von VW-Vorstand gekauft?

- Wolfsburg - In der Korruptionsaffäre beim VW-Konzern sind neue Vorwürfe laut geworden. Nach einem Bericht der "SZ" sollen VW-Mitarbeiter um Ex-Skoda-Personalchef Helmuth Schuster für Geschäfte mit dem Wolfsburger Konzern ein Geflecht von sechs weltweit operierenden Tarnfirmen entwickelt haben. Die Holding dieser Unternehmen, eine Firma namens Impesa S.A., sitze im schweizerischen Neuchâtel.

Ein VW-Sprecher in Wolfsburg lehnte gestern Abend einen Kommentar dazu ab. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Braunschweig hatte erklärt, ein Firmengeflecht um Schuster könnte eine zentrale Rolle in der VW-Affäre spielen. Es bestehe der Verdacht, dass Gelder, die VW beziehungsweise Skoda zugestanden hätten, auf Konten der Firmen und auf Privatkonten gelandet seien.

Laut SZ soll Schuster Anfang 2001 gemeinsam mit anderen VW-Mitarbeitern wie dem überraschend zurückgetretenen Betriebsratschef Klaus Volkert die Idee entwickelt haben, Firmen zu gründen, die sich um Aufträge bei VW oder bei Tochterunternehmen bemühten. Das Geflecht setze sich aus Tarnfirmen in Indien, Angola, Tschechien, Luxemburg und der Schweiz zusammen. Allein in Indien soll Schuster drei Millionen Euro kassiert haben, weil er einer Provinzregierung angeblich die Errichtung eines VW-Werkes versprochen haben soll.

Zudem besteht laut SZ der Verdacht, dass sich der VW-Vorstand das Wohlwollen einzelner Betriebsräte durch das Bezahlen von Lustreisen und Vergnügungen mit Dirnen erkauft hat.

Unterdessen bahnt sich im Aufsichtsrat des Autobauers ein schwerer Streit über Personalvorstand Peter Hartz an. Der stellvertretende Vorsitzende des Kontrollgremiums, IG Metall-Chef Jürgen Peters, warf Niedersachsens Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Christian Wulff (CDU) vor, Hartz öffentlich beschädigen zu wollen. Es entstehe der Eindruck, dass es Wulff nicht allein um Aufklärung gehe, sondern darum, das deutsche Mitbestimmungsmodell zu diskreditieren. Unterdessen schwor der neue VW-Markenvorstand Wolfgang Bernhard die Belegschaft auf einen strikten Sparkurs ein.

Wulff hatte angesichts von Spekulationen über eine mögliche Verwicklung von Hartz in die Affäre gesagt, es gebe auch für ihn keinen "Persilschein". Peters sagte dazu: "Wenn Herr Wulff über Erkenntnisse verfügt, die einen Angriff auf ein Vorstandsmitglied des Unternehmens rechtfertigen, dann ist es seine Pflicht, diese in einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung auf den Tisch zu legen." Zuvor hatte sich bereits VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Pie¨ch an die Seite von Hartz gestellt. Er sehe überhaupt keinen Anlass für dessen Rücktritt.Hartz gilt als Garant für die traditionell enge Zusammenarbeit zwischen Management und Gewerkschaft im VW-Konzern.

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