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Zum entspannten Ruhestand kann auch eine Betriebsrente beitragen. Vor allem Gutverdiener profitieren.

Altersvorsorge

Betriebsrente: Wenn der Chef mitzahlt

München - Seit 2002 haben Arbeitnehmer das Recht auf eine betriebliche Altersvorsorge. Doch auch zehn Jahre später lassen immer noch unzählige Beschäftigte ihre Chance auf eine staatlich geförderte Rente über die Firma sausen, speziell in kleineren Betrieben.

Seit 2002 haben Arbeitnehmer das Recht auf eine betriebliche Altersvorsorge. Doch auch zehn Jahre später lassen immer noch unzählige Beschäftigte ihre Chance auf eine staatlich geförderte Rente über die Firma sausen, speziell in kleineren Betrieben. Dabei kann es sich lohnen, wenn Monat für Monat Geld vom Bruttolohn angespart wird, etwa über eine Direktversicherung – vorausgesetzt, der Chef schießt einen Teil zu, wie Altersvorsorgespezialist Merten Larisch von der Verbraucherzentrale Bayern erläutert. Aber aufgepasst: Ab 21. Dezember kommen neue Unisex-Tarife, danach wird es für Männer deutlich teurer, für Frauen günstiger.

Erste Wahl für Gutverdiener

Hat der Arbeitgeber bislang keine Anstalten in Sachen Altersvorsorge gemacht, sollten Mitarbeiter ruhig einmal nachfragen. Jeder kann von seinem Chef verlangen, dass er einen Vertrag abschließt. Dann wird vom Bruttoverdienst Geld abgezwackt – und zwar noch bevor der Mitarbeiter darauf Steuern und Sozialabgaben zahlen muss.

Weil viele Arbeitgeber oft selbst wenig Ahnung von der komplizierten Materie haben, ist der Abschluss einer Direktversicherung für sie meist der bequemste Weg, sagt Theo Pischke von „Finanztest“. Die Direktversicherung ist einer der Wege zu einer Betriebsrente. Derzeit werden Einzahlungen bis zu 4488 Euro im Jahr vom Staat gefördert.

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Grundsätzlich zahle sich die Direktversicherung allerdings nur dann so richtig aus, wenn der Chef noch ordentlich was zu den monatlichen Beiträgen beisteuere, sagt Pamela Bässler, Finanzexpertin der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ihr Rat: Konkret um einen Zuschuss bitten, das bringt auch dem Arbeitgeber finanzielle Vorteile. Ein „Zuckerl“ vom Boss von mindestens 20 Prozent sei notwendig, damit sich die Investition für den Mitarbeiter wirklich rechne, ist auch Larisch überzeugt: „Wenn nur der Beschäftigte allein zahlt, wird es häufig ein Verlustgeschäft.“

Entscheidend ist zudem, welchen Vertrag der Arbeitgeber überhaupt abschließt. Er hat immer das letzte Wort dabei. Eine schlechte Direktversicherung bringt einem späteren Betriebsrentner über 20 Jahre gerechnet gut 4000 Euro weniger ein als eine gute Police, wie Pischke ermittelt hat. Bei der Modellrechnung wollten die Berliner Tester wissen, was ein Mann garantiert herausbekommt, der 27 Jahre lang monatlich 100 Euro einzahlt, mögliche Überschüsse nicht mitberechnet.

Größere Firmen haben meist günstige Rabattverträge ausgehandelt, die sie ihren Mitarbeitern anbieten. Darf der Arbeitnehmer selbst Vorschläge für eine Direktversicherung machen, sollte er sich vorher gut beraten lassen, so Larisch.

Neue Unisex-Tarife ab Ende Dezember

Wer sich für eine Direktversicherung entscheidet, sollte auch deren Nachteile kennen. Dazu gehört, dass gesetzlich Krankenversicherte auf ihre spätere Rente den vollen Kranken- und Pflegeversicherungsbeitrag zahlen müssen. Das gilt auch dann, wenn sie den gesamten Beitrag selbst aus ihrem Bruttogehalt gestemmt haben. Außerdem lässt sich der Vertrag bei Finanznot nicht kündigen. Es ist nur eine Beitragsfreistellung möglich. Erst mit 62 Jahren kann der Kunde an sein Geld. Zusatzhaken: Bei einem Jobwechsel kann der Vertrag nicht immer ohne Einbußen weitergeführt werden.

„Wir raten jungen Geringverdienern oft ab, sich eine Direktversicherung zuzulegen und sich auf Jahrzehnte finanziell zu binden“, sagt Bässler. Ein guter Riester-Banksparplan sei flexibler, betont auch Larisch. Vor allem für Frauen mit wenig Einkommen sei die staatlich geförderte, private Riester-Rente empfehlenswerter, besonders wenn sie von der Kinderzulage profitieren können. Für Beschäftigte mit hoher Steuerlast ist die Betriebsrente dagegen erste Wahl.

Außerdem wichtig: Ab 21. Dezember dürfen Versicherer nur noch Unisex-Verträge verkaufen. Bisher bekamen Frauen für den gleichen Beitrag weniger Rente garantiert als Männer, weil sie im Schnitt länger leben. Mit der Ungleichbehandlung soll dann Schluss sein. Das bedeutet aber auch: Männer, die sich für eine Direktversicherung interessieren, sollten noch möglichst bis zum Stichtag abschließen, wie Pischke erläutert. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für betriebliche Altersversorgung steigen ihre Tarife dann um bis zu sechs Prozent. Für Frauen wird es demnach um bis zu drei Prozent günstiger. Sie bekommen in der Regel dann eine etwas höhere Rente für ihr Geld.

Von Berrit Gräber

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