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Betriebsrenten: Der Staat lässt jetzt die Rendite bröckeln

- Die besten Zeiten für Betriebsrenten sind vorbei. Bald will der Staat die betriebliche Altersvorsorge schlechter stellen. Auf den Sparbeitrag fällige Sozialabgaben machen sie weniger attraktiv. Zudem müssen Sparer zum Arbeitgeberbeitrag schon heute immer öfter etwas zuschießen. Daher zahlt es sich künftig immer seltener aus, einen neuen Vertrag abzuschließen. "Vor ein paar Jahren hat sich die Betriebsrente praktisch für jeden gelohnt", sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.

Heute sei so eine allgemeine Empfehlung nicht mehr möglich. Ein Grund für die sinkende Attraktivität ist, dass Arbeitnehmer nur noch bis Ende 2008 ihren Beitrag bis zu einer bestimmten Grenze sozialabgabenfrei einzahlen können. Ab 2009 kassiert der Staat dann doppelt, erläutert Erk Schaarschmidt von der Verbraucherzentrale Brandenburg: Nicht nur werden von den Beiträgen dann Sozialabgaben abgezogen. "Für die ausgezahlten Renten werden später noch einmal Beiträge zur Krankenversicherung fällig."

Nicht betroffen sind nur Privatpatienten: Sie müssen derzeit aus der Betriebsrente keine weiteren Beiträge zur Krankenversicherung zahlen. Endgültig sei aber noch nichts entschieden, erklärt Klaus Stiefermann von der Arbeitsgemeinschaft für betriebliche Altersvorsorge: "Die Bundesregierung hat zugesagt, 2007 nochmals zu prüfen, ob die gesetzliche Regelung nicht aufgehoben werden kann." Positiv ist, dass die steuerliche Förderung erhalten bleibt: "Die eingezahlten Beiträge sind in der Ansparphase steuerfrei", sagt Erich Nöll vom Bundesverband der Lohnsteuerhilfevereine.

Dafür schlägt der Fiskus aber im Rentenalter zu: "Bei allen Modellen sind die Auszahlungen zu versteuern." Das könne sich jedoch auch als Vorteil erweisen, sagt Stiefermann: Da im Alter mit weniger Einkommen zu rechnen ist, würden auch weniger Steuern fällig. Auch die Stiftung Warentest ist der Ansicht, dass sich die Betriebsrente weiter lohnen kann: Durch Steuer- und Kostenvorteile bringe der Vertrag "immer noch mehr sichere Rendite als eine nicht geförderte private Vorsorge", heißt es. Das gelte aber nur, solange der Chef etwas dazuzahlt. Tatsächlich aber gebe es einen Trend "weg von der reinen Finanzierung durch den Arbeitgeber", berichtet Stiefermann.

Schon heute beteiligen sich meist beide Seiten -Chef und Mitarbeiter. 29 Prozent der Betriebsrenten würden überhaupt nicht bezuschusst. "In solchen Fällen raten wir gesetzlich krankenversicherten Arbeitnehmern von der Betriebsrente ab", betont Verbraucherschützer Schaarschmidt. Ein weiteres K.o.-Kriterium könnte die Jobsituation sein. "Wer einen befristeten Vertrag oder einen unsicheren Arbeitsplatz hat, dem ist die Betriebsrente nicht zu empfehlen", sagt Schaarschmidt. Dann bestehe das Risiko, dass Leistungen verloren gehen oder höhere Kosten entstehen. Und die Kosten sollten Interessenten ohnehin prüfen.

Abraten würde Schaarschmidt auch von "gezillmerten" Verträgen. Dabei dienen die Beiträge anfangs voll zum Begleichen der Abschlusskosten. Auch über die Lebensplanung müssen Arbeitnehmer nachdenken, ergänzt Grieble: "Wer in ein paar Jahren Kinder bekommt, dürfte mit einer privaten Riesterrente besser fahren." Nicht zuletzt ist die Qualität der Betriebsrente zu prüfen: "Wenn das ein maues Angebot eines schwachen Versicherers ist, kann das mächtig die Rendite drücken."

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