Betrug am Telefon: Die Tricks mit den Gewinnen

München - "Hallo, Sie haben gewonnen." Wer diese vermeintlich erfreuliche Nachricht am Telefon erhält und nicht gleich auflegt, erfährt dann, dass er - am besten sofort - eine bestimmte Telefonnummer anwählen soll, um seinen Gewinn zu bekommen. Aber: Wer anruft, zahlt. Denn das Gewinnversprechen ist eine Form einer Abzockmasche, die unter dem Oberbegriff Spam geführt wird.

Die angegebene Telefonnummer beginnt meist mit der Kennung 0900. Die Verbindung zu einem solchen "Premiumdienst" kann bis zu drei Euro pro Minute kosten, oder sogar 30 Euro pro Anruf. Und der versprochene Gewinn erweist sich meist als wertlos oder gar nicht existent. Doch der Verbraucher ist nicht hilflos gegen solche Umtriebe. Gerade beim Rufnummernspam können sich Betroffene an die Bundesnetzagentur wenden. Spam, ursprünglich ein Begriff für unerwünschte Werbung per E-Mail, taucht in immer neuen Varianten auf. Lästig sind alle Formen, teuer und nutzlos für den Verbraucher die meisten, und einige sind sogar tückisch. Wer nicht ohnehin misstrauisch ist, kann leicht in die Kostenfalle tappen. Das gilt besonders auch für ältere Menschen und Kinder, weiß die Bundesnetzagentur.

Zwei Spam-Varianten gelten durch den Überrumpelungseffekt als besonders problematisch.

Die Ping-Anrufe

Die eine sind sogenannte Ping-Anrufe, die andere das "Tastendruckmodell". Beim Ping-Anruf wird die Verbindung nach einmaligem Klingeln unterbrochen. Bei dem Angerufenen verbleibt im Display die Meldung "Anruf in Abwesenheit". Wer unbedacht die angezeigte Nummer wählt, hat schon Geld verloren. Denn der Anruf führt zu einer teuren 0900er- oder 0137er-Nummer.

Der Tastendruck-Trick

Noch raffinierter ist das "Tastendruckmodell". Im Verlauf des Werbeanrufs wird der Angerufene verleitet, eine bestimmte Taste oder Tastenkombination zu drücken, beispielsweise um einen versprochenen Geldpreis abzurufen. Nach dem Tastendruck jedoch wird das Gespräch auf eine teure 0900er-Nummer geschaltet, selbst wenn der Telefonanschluss dafür eigentlich gesperrt war und der Besitzer sich etwa vor kostspieligen Telefonaten seiner Kinder sicher wähnte.

Betreiber im Ausland

Die Betreiber der Abzocknummern sitzen meist im Ausland. Allein können betrogene Kunden ihnen kaum beikommen. Doch die Bundesnetzagentur hat einen Weg gefunden: Sie sperrt nicht nur die einschlägigen Telefonnummern, sondern sie untersagt vor allem auch das Eintreiben der ergaunerten Gebühren. Im Fall des Tastendruckmodells verbot die Behörde sogar das Geschäftsmodell insgesamt. "Am stärksten werden die Betreiber getroffen, indem man ihnen die finanziellen Gewinnströme austrocknet", sagt der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth. "Da wirkt das Verbot von Rechnungslegung und Inkasso." Das gelte auch für Firmen mit Sitz im Ausland, da das Geld ja über die Telefonrechnung in Deutschland kassiert werden solle.

Auf Mahn- oder Drohschreiben sollten Verbraucher nichts geben. "Für diese Leistung muss der Verbraucher nicht zahlen, wenn die Behörde das Inkassoverbot ausgesprochen hat."

595 Rufnummern

595 einschlägige Rufnummern hat Kurths Behörde allein in den vergangenen 24 Monaten abgeschaltet. In 267 Fällen wurde auch das Rechnungslegungs- und Inkassoverbot ausgesprochen. "Die Verbraucher können sich in diesen Fällen beruhigt zurücklehnen, sie müssen nicht zahlen", sagt Kurth. Zuletzt verzeichnete die Bundesnetzagentur die 150 000. Verbraucherbeschwerde seit 2003, seitdem sie auch für den Verbraucherschutz rund um das Telefon aktiv ist. Kurth weiß, dass den Abzockern immer neue Tricks einfallen: "Es ist wie mit der Hydra: Sie schlagen einen Kopf ab und es wächst woanders was nach", sagt er.

 Was tun gegen Abzocke am Telefon? Die wichtigsten Fragen

Was ist Rufnummernspam? Rufnummernspam sind elektronisch übermittelte Massensendungen, die den Empfänger dazu bringen sollen, teure Telefonnummern sogenannter Mehrwertdienste anzurufen. Kassiert wird dann über die Telefonrechnung.

In welcher Form tritt Rufnummernspam auf? Unerbetene Anrufe, oft als Versprechen eines Gewinnes getarnt, E-Mail, unverlangte Faxe, die für kostenpflichtige Abrufnummern werben, aber auch SMS auf Handy und Festnetz sind Erscheinungsformen von Spam.

Wie schütze ich mich? Die Bundesnetzagentur rät zur Vorsicht bei der Herausgabe persönlicher Daten. Verbraucher sollten ihre Telefonnummer nur im Bedarfsfall und nur an seriöse Geschäftspartner und Firmen weitergeben. Vorsicht bei Preisausschreiben: Oft gibt es Klauseln in den Teilnahmebedingungen, dass eine angegebene Telefonnummer zu Werbezwecken verwendet werden darf.

An wen kann ich mich wenden? Gegen Spam in jeder Form stellen sich unter anderem die Verbraucherzentralen. Bei Rufnummernspam ist die Bundesnetzagentur der richtige Ansprechpartner.

Nähere Auskunft gibt es auf der Internetseite bundesnetzagentur.de unter der Rubrik "Rufnummernmissbrauch - Spam - Dialer". Dort findet sich auch ein Formblatt, das hilft, die nötigen Daten für eine Beschwerde per E-Mail an rufnummernmissbrauch@bnetza.de zusammenzustellen. Beschwerden sind aber auch formlos möglich, wichtig ist die genaue Angabe des Vorgangs mitsamt der verdächtigen Telefonnummer sowie die Unterschrift des Beschwerdeführers. Die Bundesnetzagentur berät Verbraucher auch telefonisch: Tel: 02 91 / 99 55 206 (Mo. - Mi. 9:00 bis 17:00 Uhr, Do. 9:00 bis 18:00 Uhr, Fr. 9:00 bis 16:00 Uhr) Fax: 0 63 21 / 93 41 11; Adresse: Bundesnetzagentur, Nördeltstr. 5, 59872 Meschede oder Bundesnetzagentur, Schütt 13, 67433 Neustadt http://www.bundesnetzagentur.de

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