Betrugsprozess um Akzenta

München - 21 871 Geschädigte, die um insgesamt rund 68,5 Millionen Euro geprellt worden sein sollen - gestern startete in München ein Betrugsprozess gigantischen Ausmaßes gegen vier ehemalige Vorstände der Akzenta AG in Neubeuern (Kreis Rosenheim).

Die Verhandlungstage am Landgericht München II sind bis Ende November terminiert. Allein die rund 1000-seitige Anklage wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu verlesen, wird etwa zwei Tage dauern. Die Staatsanwaltschaft zieht dafür jeden Kollegen zur Unterstützung heran, der gerade frei ist, schließlich müssen die mehr als 21 000 Geschädigten einzeln genannt werden.

Zwar hätte es auch die Möglichkeit gegeben, die Liste der Geschädigten im Selbstleseverfahren in die Verhandlung einzuführen, das war dem Gericht aber zu unsicher: "Wir wollten von vorneherein diesen Revisionsgrund ausschließen", erklärte der Vorsitzende Richter Ralph Alt.

Der Leseaufwand war wohl auch der Grund, warum nach der Mittagspause der Zuhörersaal beinahe leer war. Morgens bot sich nämlich ein anderes Bild. Der Sitzungssaal im zweiten Stock des Gebäudes an der Nymphenburger Straße war voll: Neben den vier Angeklagten und ihren sechs Anwälten, dem Gericht und zwei Staatsanwälten versammelten sich im Zuhörerraum Presse, Geschädigte, Angestellte der Akzenta AG und Angehörige der vier Angeklagten.

Die vier Männer - ein 42-Jähriger sowie ein 56-Jähriger und dessen beiden Söhne (30 und 24) - sollen laut Anklage zwischen den Jahren 2000 und 2006 die Einlagen ihrer Kunden größtenteils in die eigene Tasche geschoben haben. Nur zehn Prozent des Kapitals sind angeblich investiert worden.

Die Versprechen an die Kunden waren groß: die Verzehnfachung ihrer Einlagen binnen zehn Jahren. Das sollte angeblich durch Umsatzbeteiligung funktionieren.

Der Anklage nach aber war die Struktur nach einem Pyramidensystem aufgebaut. Altkunden wurden demnach mit den Geldern von Neukunden ausbezahlt. Satte 729 Millionen Euro würden laut Staatsanwaltschaft den Kunden insgesamt an Ausschüttung zustehen. Tatsächlich sollen aber nur 15 Millionen Euro an die Kunden ausgezahlt worden sein. Die Anleger sind angeblich mit gefälschten Bilanzen und Geschäftsberichten getäuscht worden.

Dafür soll das Quartett selbst recht gut verdient haben: Auf 50 000 Euro zum Beispiel hat sich angeblich das monatliche Gehalt des Vaters des Familientrios belaufen, seine beiden Söhne sollen pro Monat 32 000 und 16 000 Euro abgesahnt haben. Insgesamt wird den vier Ex-Vorständen vorgeworfen, sich in den sechs Jahren, in denen die AG unter ihrer Leitung lief, um rund 54 Millionen Euro bereichert zu haben.

Strafanzeigen unzufriedener Kapitalanleger brachten das Verfahren ins Rollen und die vier Männer für nunmehr 14 Monate in Untersuchungshaft. Im Mai 2006 wurden die Vorstände am Firmensitz festgenommen.

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