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Nicht nur wer telefoniert, bleibt am Handy verfolgbar. Bleibt das Gerät betriebsbereit, lassen sich Aufenthaltsorte und Wege rekonstruieren.

Datenschutz:

So beugt man dem Missbrauch vor

Das Internet verlockt dazu, leichtfertig Dinge preiszugeben, die man besser für sich behalten sollte. Verbraucherschützer raten weiter zur „Datensparsamkeit“.

Nicht nur Datenskandale der jüngsten Zeit machen hellhörig. Telekommunikationsunternehmen, Bahn und Discounter spähen aus. Unternehmen handeln mit Adressen, einige verbotenerweise sogar mit Kontodaten. Google filmt ganze Straßenzüge ab, und in sozialen Netzwerken wie Facebook oder StudiVZ veröffentlichen nicht nur Unbedarfte höchst private Dinge, die leicht in falsche Hände geraten.

Der Bundestag verabschiedete Anfang Juli auf den letzten Drücker eine Änderung des Datenschutzgesetzes, das aber bei weitem nicht ausreicht, den grundsätzlichen Trend zu stoppen: Die Missbrauchsgefahr des Internets steigt. Datenschützer raten zu aktiven Gegenmaßnahmen: „Die Verbraucher in Deutschland verlassen sich immer noch zu sehr darauf, dass es Gesetze gibt, die sie schützen“, kritisiert Rena Tangens, Gründerin von Foe Bud, dem Verein, der jedes Jahr die „Big Brother Awards“ an datenhungrige Unternehmen, Behörden oder Organisationen vergibt. Durch erhöhte Sensibilität und einige Grundregeln lässt sich das Risiko zumindest dort reduzieren, wo der Einzelne noch die Möglichkeit zur Kontrolle seiner Daten hat, sagt der Kieler Datenschützer Thilo Weichert.

„Datensparsamkeit“ heißt das Zauberwort der kritischen Fachleute. Soweit möglich sollten Verbraucher die Menge der von ihnen selbst in Umlauf gebrachten Daten minimieren – vor allem bei der elektronischen Kommunikation. Je seltener man diese Wege nutzt, desto schwieriger lässt sich von der Werbewirtschaft und anderen interessierten Stellen ein Profil erstellen. „Immer wenn man elektronisch kommuniziert und Spuren hinterlässt, gibt es auch das Risiko, dass diese Spuren zweckentfremdet werden können“, betont Weichert.

Anonym bleiben

Bargeld hinterlässt keine elektronischen Spuren. Wer Rechnungen mit Scheinen und Münzen begleicht, kann nicht verfolgt werden.

Ob bei Bankgeschäften, beim Einkaufen im Internet, beim Telefonieren per Handy oder bei Texten in Chatforen – Verbraucher sollten ihre Aktivitäten und Identität möglichst oft verschleiern. „Am besten bezahlt man bar, wann immer es geht. Schon Kredit- oder EC-Karten sollte man nur nutzen, wenn es absolut nötig ist“, mahnt Tangens. Auch beim Kauf von Prepaid-Handys erfassen Anbieter weniger persönliche Informationen als bei Verträgen, sagt Weichert.

Wer sich eine E-Mail-Adresse zulegt, bloggt oder in Internetforen chattet, sollte möglichst nicht seinen Namen preisgeben. „Wo die Identität nicht nötig ist, sollte man mit Pseudonymen arbeiten.“

Einkauf mit Schlüssel

E-Mails kursieren meist ungeschützt im weltweiten Netz. Wer sich dagegen absichern will, sollte Verschlüsselungssoftware nutzen.

Wer bei Onlinehändlern einkauft oder elektronische Bankgeschäfte tätigt, sollte sich immer genau über die Seriosität und Datensicherheit der Gegenseite informieren. Um Ausforschungs- und Betrugsversuche von vornherein zu erschweren, sollte man nur Internetseiten nutzen, die besonders gegen Zugriffe gesichert sind. Erkennbar sind diese unter anderem an einen Schloss-Symbol vor der Adresszeile, erläutert Evelyn Keßler, Sprecherin der baden-württembergischen Verbraucherzentrale. „Ein vernünftiger Onlineshop bietet eine verschlüsselte Verbindung.“

Das Kleingedruckte

Ob elektronisch oder nicht – bei Vertragsabschlüssen sollten Kunden zudem immer klarstellen, dass sie keinen Verkauf ihrer Daten dulden. Die standardmäßigen allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) und Datenschutzbestimmungen sind oft so formuliert, dass Verbraucher der Weitergabe stillschweigend zustimmen. „Dem sollte man stets schriftlich widersprechen“, rät die Verbraucherschützerin Keßler. Anders sei bei der heutigen Rechtslage leider nicht gewährleistet, dass der Kunde Herr seiner Daten bleibe. Vereine wie Foe Bud bieten für solche Einsprüche unter anderem auch vorbereitete Stempel und Vordrucke.

Nicht locken lassen

Kundenkarten bieten viele kleine Vorteile. Diese werden aber dadurch erkauft, dass man Konsumgewohnheiten offenlegt.

Finger weg von Gewinnspielen, Vorsicht bei Rabattaktionen: Angebote zu Verlosungen, Preisausschreiben und ähnlichen Aktionen sind zwar verlockend, dienen häufig aber vor allem der Sammlung von Teilnehmerdaten. „Gewinnspiele sind dazu da, Kundendaten zu sammeln und Adressen zu generieren“, erklärt Tangens. Aber auch Umfragen zu Lifestyle-Fragen im Internet werden eingesetzt, um Informationen über den Lebenswandel und das Konsumverhalten zu erlangen. Die bei vielen Ketten und Geschäften mittlerweile üblichen Rabattkarten dienen ebenfalls dem Zweck, Kundenprofile anzulegen, wie die Bürgerrechtlerin betont. „Man muss sich klarmachen: Kein Konzern verschenkt irgendetwas.“

Angezapfte Netze

Vorsicht gilt auch bei Einträgen in soziale Netzwerke: Die Kommunikation mit Bekannten und Freunden über Facebook, StudiVZ und ähnliche Portale ist gerade bei jungen Menschen beliebt, birgt aber ebenfalls Gefahren. Längst haben Arbeitgeber diese als Informationsquelle über Bewerber und Angestellte entdeckt, fahnden Werbeprofis dort nach interessanten Ansprechpartnern. Aber auch im privaten Umfeld lassen sich unbedacht verbreitete Präsentationen schwer kontrollieren. Man solle sich gut überlegen, was man veröffentlicht, rät Weichert. Das gelte vor allem für Fotos.

Von Sebastian Bronst

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