Bewegung im Stahl-Poker: Arcelor spricht nun doch mit Mittal Steel

- Luxemburg - Im Kampf gegen eine feindliche Übernahme durch Mittal Steel ist der luxemburgische Stahlkonzern Arcelor erstmals zu direkten Gesprächen mit dem Konkurrenten bereit. Vertreter der beiden Management-Teams werden sich "in den nächsten Tagen" treffen, um über das Geschäftskonzept von Mittal Steel zu reden, teilte Arcelor mit. Bisher gab es keinen direkten Kontakt zwischen Arcelor und Mittal.

Arcelor hatte das Konzept angefordert, um Mittals Offerte prüfen zu können. Dabei geht es vor allem um den Wert der Mittal-Aktien: Mittal hat 25,8 Milliarden Euro für Arcelor geboten, davon maximal 7,6 Milliarden Euro in bar. Den Rest des Kaufpreises will der indische Unternehmer Lakshmi Mittal mit eigenen Aktien begleichen.

Laut Arcelor gibt es "eine Reihe von Fragen zum Geschäftskonzept", die geklärt werden müssten. Arcelor lehnt den Übernahmeversuch entschieden ab und hat eine Fusion mit dem russischen Stahlhersteller Severstal angekündigt. Der Zusammenschluss mit dem von Alexej Mordaschow kontrollierten Unternehmen soll auch die Übernahme durch Mittal Steel verhindern.

Arcelor-Chef Guy Dollé´ hat angekündigt, der Verwaltungsrat werde in Kürze Mittals "Business-Plan" prüfen. Dabei werde möglicherweise auch über das Verlangen von Aktionären, die 29 Prozent des Kapitals halten, nach einer außerordentlichen Hauptversammlung über den Fusionsplan mit Severstal beraten.

Die luxemburgische Börsenaufsicht CSSF hat die von Arcelor mit Mordaschow geplante Transaktion inzwischen unter Auflagen gebilligt. Mordaschow soll im Gegenzug zur Übertragung seiner Severstal-Anteile an Arcelor und für eine Barzahlung von 1,25 Milliarden Euro einen Anteil von 32 Prozent der Arcelor-Aktien bekommen. Dabei werden die Arcelor-Aktien mit 44 Euro bewertet. Damit liegt die Transaktion noch unter der 33,3-Prozent-Schwelle, die nach dem luxemburgischen Übernahmegesetz ein Pflichtangebot auslöst. Ein Käufer von mehr als einem Drittel des Aktienkapitals muss den Minderheitsaktionären den gleichen Preis anbieten, den er für seine Aktien bezahlt hat.

Sollte ein Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 5 Milliarden Euro wie geplant beschlossen werden, würde sich Mordaschows Anteil auf 38 Prozent erhöhen. Auch dann werde das Pflichtangebot noch nicht ausgelöst, entschied die Börsenaufsicht. Mordaschow will mittelfristig seinen Arcelor-Anteil sogar auf 45 Prozent aufstocken.

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