Bezeichnungswirrwarr: Wann Bio wirklich Bio ist

- Öko-Lebensmittel sind der Verkaufsschlager in jedem Supermarkt. Doch das Angebot kommt der explodierenden Nachfrage kaum hinterher. Händler fürchten deswegen, dass das Bio-Siegel mitunter auch auf konventionell erzeugter Ware klebt.

Der Lebensmittel-Einzelhandel hat seit Jahren nichts zu Lachen. Die Umsätze stagnieren, die Gewinnmargen sind minimal. Freude bereitet der Branche allein das Geschäft mit Bio-Lebensmitteln. Seit 2000 sind die Umsätze nach Angaben des Bunds Ökologische Lebensmittelwirtschaft jährlich zweistellig gewachsen. Auf rund fünf Milliarden Euro kletterten die Erlöse im vergangenen Jahr. Damit trugen deutlich über drei Prozent aller verkauften Esswaren ein Siegel, das die ökologische Herkunft garantiert. Der Hunger ist größer als der Nachschub

Branchenkenner fürchten jedoch, dass der Hunger auf Bio-Ware rasanter wächst als die Erzeugungskapazitäten. Der Landesverband des Bayerischen Einzelhandels (LBE) sieht deswegen die Gefahr, dass falsche Bioprodukte auf den Markt kommen können. "So viel wie derzeit verlangt wird, kann gar nicht geliefert werden", sagt LBE-Vizepräsident Hans Jürgen Bönsch.

Die Erzeuger schließen Etikettenschwindel ­ bei dem geschützte Bio-Siegel auf unbiologischen Produkten prangen ­ jedoch aus. Sie verweisen auf strenge Kontrollen. "Bei den großen Verbandszeichen wie Naturland und beim EU-Bio-Siegel können sich die Verbraucher auf die Öko-Qualität verlassen", sagt Steffen Reese, Geschäftsführer von Naturland in Gräfelfing.

Staatlich zugelassene Stellen überprüfen mindestens einmal im Jahr die Bio-Erzeuger im In- und Ausland. Reese: "Wenn Auffälligkeiten auftreten, werden die Maßnahmen sogar verstärkt." Doch trotz unzähliger Schutzmaßnahmen gibt es nach den Worten von LBE-Geschäftsführer Bernd Ohlmann keine "1000-prozentige Sicherheit". Jeder Laden biete heute Bioprodukte an, um sich zu profilieren, sagt er. Und es gibt die unteschiedlichsten Bezeichnungen, die zwar nach Bio klingen aber es gesetzlich gar nicht sind (siehe Kasten und Tabelle). "Oberste Priorität muss die Qualität bleiben", betont Ohlmann. "Der Verbraucher ist in puncto Bio sehr sensibel und vertraut auf die Kontrollmechanismen im In- und Ausland."

Die Zulieferer aus Übersee und Europa müssen die Produkte nach der EU-Ökoverordnung anbauen. Nach den Worten von Susanne Moritz, Ernährungsexpertin bei der Verbraucherzentrale Bayern, sind das Mindestanforderungen. Beispiel: Im europäischen Ausland dürfen Landwirte Teilumstellungen vornehmen. Das heißt, dass sie ihren Betrieb teils konventionell, teils ökologisch betreiben können. "In Deutschland ist das nicht möglich", sagt Moritz.

Die Naturland-Mitglieder beziehen die Waren aus aller Welt: Südfrüchte, Kaffee und Tee werden in Südamerika, Afrika und Asien angebaut. Fisch und Meeresfrüchte aus ökologischer Aquakultur kommen aus Irland, Schottland, Brasilien, Indonesien und Ecuador. Der Verband achtet aber darauf, dass Produkte wie Kartoffeln hierzulande erzeugt werden.

"Die Nachfrage ist aber so groß, dass Erzeugnisse zusätzlich aus dem Ausland bezogen werden müssen", sagt Moritz. Die Süddeutschen werden vor allem aus Österreich und Italien beliefert, aber auch aus China. Aus Fernost kommen Hülsenfrüchte, Getreide und Leinsamen. Wer auf ökologische Produkte aus Bayern Wert legt, erkennt Heimisches am Siegel "Öko-Qualität garantiert ­ Bayern". Dieses Logo mit grüner Landschaft und blauer Raute gibt es seit 2003.

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