BfV: Deutsche Unternehmen werden ausspioniert

Köln - Deutsche Unternehmen und Forschungseinrichtungen werden von ausländischen Nachrichtendiensten ausspioniert. Nach Angaben der Spionageabwehr werden vor allem Banken und Großunternehmen ausgespäht.

“Gefahr besteht überall, wo es Innovationen gibt, ein schützenswertes Gut, eine interessante Marketingstrategie, ein Geschäftsgeheimnis - in praktisch allen Branchen“, sagte Burkhard Even, Abteilungsleiter Spionageabwehr beim Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), am Mittwoch in einem Gespräch mit der Deutschen Presse- Agentur dpa. Ausgespäht würden Banken, Großunternehmen, aber auch kleine und mittelständische Firmen. Insbesondere die chinesischen und russischen Geheimdienste haben den ausdrücklichen Auftrag, Wirtschaftsspionage zu betreiben.

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Den Unternehmen sollte bewusst sein, dass sie sich schützen müssen: “Es gibt keine ungefährdeten Bereiche“, betonte Even. In diesem Zusammenhang stellen elektronische Angriffe zunehmend eine besondere Gefahr dar. Solche kommen vor allem aus China. Seit 2005 beobachtet das BfV elektronische Angriffe in beträchtlichem Umfang. Sobald ein Computer ans Internet angeschlossen ist, ist er angreifbar, warnen IT-Experten. Gespeicherte Daten sind in Gefahr, gestohlen oder zerstört zu werden.

Dass Wirtschaftsspionage via Internet zunehmend attraktiv ist, steht laut Even außer Zweifel: “Für den Täter ist ein elektronischer Angriff sehr effizient und risikolos, er kann mit kleinem Aufwand große Datenmengen abgreifen. Der Ursprung der Attacke ist praktisch nicht nachverfolgbar.“ Ein Angriff verlaufe oft auch so geschickt, dass ein Datendiebstahl im Unternehmen unbemerkt bleibe.

Know-how-Klau wird aber auch von Konkurrenzunternehmen rund um den Globus betrieben. Darüber hinaus gibt es noch im Rahmen der “normalen“ Wirtschaftskriminalität die Hacker, die für ihr eigenes Portemonnaie arbeiten. Auch menschliche Quellen sind nach wie vor relevant. “Innentäter können noch zielgerichteter arbeiten und an besonders sensible Bereiche herankommen“, sagte der BfV-Experte. Auch frustrierte Beschäftigte können aus Sicht der Nachrichtendienste interessante Quellen sein.

Elektronische Angriffe abzuwehren ist nach BfV-Einschätzung schwierig. “Die Angreifer sind sehr kreativ.“ Umso bedeutsamer sei es für Unternehmen, einem Schaden vorzubeugen, betonte Even: “Wichtig ist die Schaffung gesicherter IT- und Kommunikationsstrukturen sowie die Sensibilisierung der eigenen Mitarbeiter für ein entsprechendes sicherheitsorientiertes Verhalten.“ Dabei steht der Verfassungsschutz mit seinem Informationsangebot, aber auch mit konkreter Hilfe im Einzelfall zur Verfügung.

Gespräch: Yuriko Wahl, dpa

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