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Hopfen ist nicht gleich Hopfen: Neue Züchtungen sollen dem Bier verschiedene Fruchtnoten verleihen.

Bier: Bauern hoffen auf Passionsfrucht-Hopfen

München - Die Deutschen trinken weniger Bier, doch weltweit steigt der Absatz leicht. Besonders die Chinesen werden immer leidenschaftlichere Biertrinker – die deutschen Hopfenbauern können davon aber nicht profitieren. Sie hoffen nun auf Hopfen mit Fruchtgeschmack.

Die Chinesen sind auf den Geschmack gekommen. Ganze 25 Millionen Hektoliter Bier mehr als im Vorjahr tranken sie 2010 und haben damit quasi im Alleingang für das kleine weltweite Absatzplus von 1,6 Prozent oder 29 Millionen Hektolitern gesorgt. So steht es im Barth-Bericht, den schon seit 1877 jedes Jahr der Hopfenvermarkter Johann Barth & Sohn herausgibt.

Angesichts des konstant sinkenden Bierabsatzes in Deutschland könnten die Märkte im fernen Asien durchaus ein Hoffnungsschimmer für die gebeutelten Brauereien und Rohstofflieferanten sein. Allein im vergangenen Jahr tranken die Deutschen 2,4 Millionen Hektoliter weniger Bier. Ein Trend, der fast überall in Europa gilt – nur in Polen verzeichneten die Statistiker einen leichten Anstieg des Bierkonsums um 1,7 Millionen Hektoliter.

Doch auch vom Bierboom in Asien profitieren die Hopfenbauern in der Hallertau nicht. Denn Biere die Chinesen brauen ihre Biere mit sehr wenig Hopfen, weil es so weniger bitter ist. Das entspricht eher dem Geschmack der Chinesen. „China verbraucht insgesamt weniger Hopfen als Deutschland“, sagte Stephan Barth, Geschäftsführer von Johann Barth & Sohn. Und das, obwohl in China längst deutlich mehr Bier gebraut wird als in Deutschland. Insgesamt wurden in China im vergangenen Jahr mehr als 448 Millionen Hektoliter Bier produziert – damit sind die Chinesen Bierweltmeister. Es folgen die USA, Brasilien, Russland und erst auf Platz fünf mit 95,7 Millionen Hektolitern Deutschland. Pro Kopf trinken die Deutschen mit 107 Litern pro Jahr freilich immer noch deutlich mehr als der durchschnittliche Chinese, der es auf 35 Liter bringt. Weltmeister im Pro-Kopf-Verbrauch waren 2010 die Tschechen mit 144 Litern.

Die besten Brauereien Deutschlands

Für die Hopfenproduzenten war 2010 aber auch aus anderen Gründen kein gutes Jahr. Nachdem einige Jahre kaum der Bedarf aller weltweit aktiven Brauereien gedeckt werden konnte, wird inzwischen deutlich mehr Hopfen geerntet, als vekauft werden kann. „Wir haben eine Berg-und-Tal-Fahrt hinter uns“, sagte Barth. Auf dem sogenannten Spotmarkt für Hopfen seien die Preise erst wegen der Knappheit stark gestiegen, seit 2008 sei der Preis aber um 90 Prozent gefallen. Derzeit liege er bei rund 25 Euro pro Kilogramm. „Damit verdient keiner was, der Bauer nicht und auch nicht der Vermarkter“, so Barth. Dass sich das Geschäft noch rechnet, liegt daran, dass nur etwa 10 bis 15 Prozent der Ernte über den Spotmarkt verkauft werden. Der Großteil des Hopfens ist über Vorverträge langfristig bereits verkauft. Da diese Verträge aber langsam auslaufen, geraten auch auf diesem Markt die Preise unter Druck. Eine Gegenbewegung läuft zwar, so schrumpfte die Anbaufläche 2010 um acht Prozent auf 52 000 Hektar. Gut ein Drittel der weltweiten Hopfen-Anbaufläche befindet sich in Deutschland.

Auch der Umsatz von Barth & Sohn ist im laufenden Geschäftsjahr, das am 31. Juli endet, eingebrochen. Setzte das Unternehmen 2009 noch knapp 300 Millionen Euro um, sind es dieses Jahr nur noch 220 bis 240 Millionen Euro, sagte Barth. Auch im kommenden Jahr erwartet er ein Minus von „mindestens zehn Prozent“.

Hoffnungen setzen die Brauer nun auf neue Hopfensorten, die ganz natürlich andere Geschmacksrichtungen ins Bier bringen sollen. Statt mit künstlichen Zusätzen könne man nur durch den gezielten Einsatz einzelner Hopfensorten zum Beispiel Bier mit Zitrus- oder Passionsfruchtgeschmack herstellen. „Das ist hundertprozentig mit dem Reinheitsgebot vereinbar“, sagte Barth. Das Interesse deutscher Brauereien sei trotzdem noch gering.

Philipp Vetter

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