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Das Geheimnis hinter Bayerns Bier-Meisterschaft

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München - Bayern hat 2014 zum ersten Mal das meiste Bier in Deutschland verkauft. Doch hinter dem Erfolg steckt ein Geheimnis, mit dem die bayerischen Brauer gar nichts zu tun haben.

Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner (CSU) war so begeistert, dass er die gute Nachricht gleich weiterverbreitete: Bayern ist endlich die Nummer eins in Sachen Bierproduktion, erzählte er bei der Grünen Woche in Berlin Reportern, obwohl die offiziellen Zahlen der Brauer eigentlich erst in den Wochen darauf bekanntgegeben werden sollten. „Kaum ein anderes Produkt steht so stark für unser Land und unsere Lebensart wie bayerisches Bier“, schwärmte Brunner. Umso schmerzlicher war es in den vergangenen Jahren, dass sich der Freistaat stets mit dem zweiten Rang zufrieden geben musste – hinter Nordrhein-Westfalen.

Haben die Biertrinker in aller Welt also 2014 endlich erkannt, dass der Gerstensaft aus Bayern deutlich besser schmeckt als der aus Norddeutschland? So einfach ist die Wahrheit zumindest aus Sicht der bayerischen Brauer nicht. Vielmehr steckt hinter dem Überholmanöver ein statistisches Geheimnis. Bayerns Brauer können zwar tatsächlich ziemlich zufrieden sein mit dem Jahr 2014. Ihr Absatz stieg laut Statistischem Bundesamt um 3,6 Prozent auf 23,1 Millionen Hektoliter. Doch dieses Plus allein hätte nicht gereicht, um Nordrhein-Westfalen zu überholen, wenn das nördliche Bundesland nicht gleichzeitig herbe Rückgänge hätte verkraften müssen. Um satte 6,2 Prozent fiel der Absatz in NRW auf nur noch 22,1 Millionen Hektoliter. Aber woher kommt der plötzliche Einbruch?

Bayerns Erfolg verursacht ein Aldi-Zulieferer

In Brauerkreisen ist man sich sicher: Es liegt weder an den bayerischen noch an den nordrhein-westfälischen Brauereien, sondern ausgerechnet an einem belgischen Bierhersteller. Die belgische Brauerei „Martens“ verkauft ihr Bier fast ausschließlich im Ausland, einen großen Teil in PET-Flaschen der deutschen Discounter-Kette Aldi. Obwohl dieses Bier also gar nicht in Deutschland hergestellt wird, wurde es bislang als nordrhein-westfälisches Bier in der Statistik ausgewiesen. Schuld ist das europäische Steuerrecht: Das sieht vor, dass Brauereien aus anderen EU-Ländern ihr Bier zunächst unversteuert nach Deutschland einführen und dort lagern können. Erst wenn es verkauft wird, muss der Hersteller die Steuer zahlen und das Bier wird statistisch erfasst.

Daran hat sich grundsätzlich nichts geändert, doch die Brauerei „Martens“ hat vergangenes Jahr den Standort ihres Lagers in Deutschland gewechselt. Statt in NRW lagert das Bier nun im Saarland, heißt es in Brauerkreisen. Tatsächlich konnte das kleine Bundesland im Westen ein enormes Absatzplus verbuchen. Laut Statistischem Bundesamt stieg der Absatz des Biers aus den gemeinsam erfassten Bundesländern Rheinland-Pfalz und Saarland um atemberaubende 21,5 Prozent oder knapp 1,5 Millionen Hektoliter – ziemlich genau diese Menge hatte NRW im gleichen Zeitraum verloren. Weil Rheinland-Pfalz und das Saarland zuvor aber abgeschlagen hinter Bayern, NRW, Sachsen und Niedersachsen/Bremen lagen, schaffen es die beiden Länder trotz des großen Absatzplus nur auf den vierten Rang.

Biersteuer in ganz Deutschland gleich

Warum „Martens“ sein Lager verlegte, ist unklar. Die Brauerei reagierte nicht auf eine schriftliche Anfrage des "Münchner Merkur". Finanzielle Gründe können es nicht sein, denn die Biersteuer ist bundesweit einheitlich. Deutsche Brauer tippen eher darauf, dass sich die Belgier vom neuen Standort logistische Vorteile versprechen. Zumindest haben sie so den bayerischen Brauern zu dem Spitzenplatz verholfen, der ihnen zumindest ihrer Meinung nach schon lange zustand.

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