Bier aus der Plastikflasche: Bald normal

- München - Bier in Plastikflaschen hat bei Verbraucherumfragen Sympathiewerte wie Weißwurst aus der Dose. Trotzdem gewinnt der Kunststoff mit dem komplizierten Namen "Polyethylenterephtalat" (Pet) als Bier-Gefäß an Bedeutung. Die Pet-Flasche wird sich in wenigen Jahren durchgesetzt haben - auch bei traditionsreichen Markenbieren, glauben Branchenkenner.

Die Pfand-Pflicht für Einwegverpackungen hat die Pet-Flasche populär gemacht. Billig-Supermärkte, die zuvor besonders Dosenbier verkauft hatten, stellten in ihre Regale die braunen Plastikkegel. Die lassen sich leichter transportieren als Dosen und verursachen weniger Schmutz und Gestank, weil sie zugeschraubt werden können, wenn sie als Leergut in den Laden zurückkommen. Waren die ersten Pet-Biere vor allem Massenware von Billiganbietern, greifen inzwischen auch Qualitäts-Produzenten vermehrt zur Plastikflasche. "In absehbarer Zeit wird das üblich sein", glaubt ein Sprecher des Deutschen Brauerbundes. Als die Dose in den 60er-Jahren auf den Biermarkt rollte, sei sie ebenso harsch abgelehnt worden wie heute die Plastikflasche. Trotzdem setzte sie sich durch.<BR><BR>Inbev - der größte Braukonzern der Welt und Eigentümer der Münchner Spaten-Löwenbräu-Gruppe - setzt verstärkt auf die Plastikflasche. Seit September wird das ostdeutsche Hasseröder in Pet abgefüllt. Bei der ebenfalls zum Konzern gehörenden Marke Beck's Gold experimentierte Inbev jüngst bei Massenveranstaltungen wie Konzerten mit der Plastikflasche. "Wir gehen davon aus, dass sich früher oder später Pet etablieren wird", sagte ein Sprecher des belgischen Unternehmens in Deutschland. Zwar gebe es derzeit keine konkreten Pläne, weitere Konzernmarken - wie Spaten, Löwenbräu und Franziskaner - in der Pet-Flasche zu verkaufen, aber man glaube, dass es "in fünf bis zehn Jahren normal sein wird, auch Premium-Biere in Pet anzubieten."<BR><BR>Noch ist Bier in Deutschland "das kleinste Einsatzgebiet für Pet abgesehen von Milch", erklärte ein Sprecher des Industrieverbands Kunststoffverpackungen. Der Anteil der Plastikflasche am gesamten deutschen Bierabsatz liegt Schätzungen zufolge unter fünf Prozent. "Aber es steckt viel Hoffnung drin für die weitere Entwicklung."

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