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Die Mass ist halbvoll: Zwar konnten Bayerns Brauer 2013 etwas mehr Bier verkaufen – allerdings nur im Ausland. Der deutsche Markt schrumpft weiter.

Brauerbund

Bier wird teurer – auch ohne Kartell

München - Bayerns Brauer stemmen sich gegen den Bundestrend: Dank der Exporterfolge konnten sie im vergangenen Jahr etwas mehr Bier verkaufen als 2012. Verbraucher müssen wohl auch heuer wieder mehr für ihr Bier bezahlen.

Mit einem Kartell hat das laut Brauerbund aber nichts zu tun.

Friedrich Düll hat mit der Frage gerechnet. Er spreche den Bierpreis gleich selbst an, bevor ihn einer der Journalisten danach fragen müsse, sagt der Präsident des Bayerischen Brauerbundes. Wie jedes Jahr soll Düll vor allem die Frage beantworten, ob der Verbraucher künftig tiefer in die Tasche greifen muss, um tief ins Glas schauen zu können.

Wie jedes Jahr windet sich Düll ein wenig bei seiner Antwort. Der Bierpreis sei „ein Hort der Preisstabilität“ – zumindest im Vergleich mit den Steigerungen bei anderen Nahrungsmitteln, schickt er vorweg. „Dies ist das Ergebnis der Schärfe des in unserem Markt herrschenden Wettbewerbs und zugleich untrügliches Indiz für dessen Funktionieren“, sagt Düll. Damit nimmt er gleich noch eine Antwort vorweg. Nämlich die auf die Frage nach dem Bierkartell.

Im Januar hatte das Kartellamt gegen fünf Großbrauereien Bußgelder von mehr als 100 Millionen Euro verhängt, weil sie Preise abgesprochen haben sollen. „Es sind keine bayerischen Brauereien betroffen“, sagt Düll. „Es wird in Bayern keine Auswirkungen auf den Bierpreis durch das Kartellverfahren geben.“ Doch das heißt nicht, dass das Bier heuer nicht teurer wird. Brauereien seien „sowohl energie- als auch personalintensiv“, betont Düll. Durch Tarifverhandlungen und Energiewende steigen auch 2014 die Kosten – und damit auch die Preise. „Bier bleibt seinen Preis wert – auch wenn es hier und da etwas teurer werden sollte“, sagt Düll. Wie stark die Preise durchschnittlich steigen werden, könne er nicht sagen. „Was die einzelne Brauerei aus ihren Kostenentwicklungen macht, bleibt ihr und dem Spiel der Kräfte des Marktes überlassen.“ Soll heißen: Wir wissen gar nichts über die Preise der anderen und können uns schon deshalb nicht absprechen.

Sonst hatte Bayerns Brauerpräsident durchaus positive Nachrichten zu verkünden. Entgegen dem bundesweiten Trend war es seinen Kollegen aus den zuletzt 622 Brauereien im Freistaat gelungen, mehr Bier zu verkaufen als im Vorjahr. Um 0,7 Prozent steigerten sie den Absatz – vor allem durch den Export ins Ausland. Während die bayerischen Brauereien in Deutschland gut 57 000 Hektoliter Bier weniger verkaufen konnten, legte der Export um mehr als 200 000 Hektoliter zu und glich den Verlust im Inland wieder aus. Damit gehört Bayern zu den wenigen Bundesländern, die unter dem Strich ein Plus vorweisen können. Deutschlandweit schrumpfte der Absatz um 2,0 Prozent. Der Hauptgeschäftsführer des Bayerischen Brauerbundes, Lothar Ebbertz, glaubt auch nicht, dass sich der negative Trend in Deutschland noch einmal umkehren lässt. „Der deutsche Biermarkt wird nicht mehr wachsen“, sagt er.

Allerdings konnten die Brauer vom Trend zum gesünderen, alkoholfreien Getränk zumindest ein bisschen profitieren. Der Absatz von alkoholfreiem Bier stieg um knapp fünf Prozent oder 100 000 Hektoliter auf inzwischen 1,7 Millionen Hektoliter und besitzt damit laut Präsident Düll inzwischen „beträchtliches Gewicht“ im Gesamtbiermarkt.

Die Zahl der Brauereien in Bayern sank erneut deutlich. Zwar liegen hier bislang nur die Zahlen für 2012 vor, doch die geben wenig Anlass zur Zuversicht. Gab es 2011 noch 637 Brauereien im Freistaat, waren es ein Jahr später nur noch 622. Geschäftsführer Ebbertz nahm es mit Humor: „Gegen das Brauereisterben hilft kein Jammern, dagegen muss man antrinken.“

Philipp Vetter

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